predigt-2020-07-19

Predigt: Von unserer Bestimmung

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Datum: 19.07.20
Bibelstelle: Matthäus 5,1; 5,13-16
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Wozu sind wir bestimmt, wenn wir Jesus nachfolgen?

Jesus beschreibt unsere Bestimmung mit dem dem Doppelgleichnis von Salz und Licht (Matthäus 5,13-16):

  • Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
  • Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Jesus lehrt seine Jünger – und jeder ist eingeladen, an der Jüngerschulung teilzunehmen:

  1. Ihr seid!

    Beide Gleichnisse werden eingeleitet mit "ihr seid". Diejenigen, die nicht zu seinen Nachfolgern gehören, sind also nicht. Es gibt ein Drinnen und ein Draußen.

    Es gibt diejenigen, die Jesus nachfolgen und diejenigen, die ihr Leben unter eigener Regie führen. Diejenigen aber, die seinen Ruf gehört haben und ihm gefolgt sind, stehen unter einer göttlichen Bestimmung.

    "Ihr seid das Salz der Erde" und "Ihr seid das Licht der Welt": Sind wir das? Wenn die Christen Salz der Erde und Licht der Welt wären: Müssten sie nicht viel stärker wahrgenommen und geschätzt werden?

    "Salz der Erde, Licht der Welt". Bei diesen Bildworten werden schon damals die Jünger den Atem angehalten haben. Jesus spricht zu einer kleinen Gruppe von Jüngern, deren Glaube noch in den Kinderschuhen steckte.

    Und wir? Du und ich – das Salz der Erde, das Licht der Welt? Liegen hier nicht Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander?

    Wir Jünger und Jüngerinnen von Jesus, sind "Salz" und "Licht" nicht deshalb, weil wir diese Qualitäten vorweisen könnten, sondern ausschließlich, weil ER, Christus es uns zugesprochen hat.

    Salz der Erde und Licht der Welt ist die Gemeinde Jesu nicht, weil sie sich so fühlt, sondern weil Gott sie so sieht. Die Nachfolger Jesu sind eine kleine unscheinbare Schar, die Gottes Art in diese Welt hineinträgt – nicht fehlerlos, aber versöhnt durch das Blut Jesu Christi.

  2. Ihr seid – also seid!

    Beide Bildworte – "Salz der Erde" und "Licht der Welt" – enthalten eine Aufforderung: Seid, was ihr in Gottes Augen seid!

    Wir als Jünger und Jüngerinnen von Jesus haben eine göttliche Bestimmung. Dieser Bestimmung gilt es nun gerecht zu werden.

    Salz im Salzfass bleibt wirkungslos. Ein Nachtlämpchen unter einem Eimer verbraucht Öl, aber macht absolut keinen Sinn. Das Salz gehört in die Suppe und die Leuchte gehört auf den Scheffel und nicht darunter.

  3. Ihr seid – also seid dort, wohin ihr gehört!

    Die jüdische Frömmigkeit zur Zeit Jesu war geprägt durch eine Vermeidungstheologie: Der Sünde sollte Einhalt geboten werden, indem man den Umgang mit dem Sünder zu meiden hatte.

    Mit dem Doppelgleichnis vom Salz und vom Licht stellt Jesus die jüdische Vermeidungstheologie auf den Kopf. Es ist interessant, wie die Bergpredigt endet (Matthäus 8,1-3): Als er aber vom Berge herabging, folgte ihm eine große Menge. Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und Jesu streckte die Hand aus und rührte ihn an.

    Jeder fromme Jude hätte damals einen weiten Bogen um einen Aussätzigen machen müssen. Jesus dagegen streckt die Hand aus und rührt ihn an.

    Wie wirke ich auf meine Mitmenschen?

    "So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." Hier haben wir ein entscheidendes Kriterium für ein Verhalten, dass unserer Bestimmung als Jünger und Jüngerinnen entspricht.

    Wenn wir sein wollen, wer wir sind, und wenn wir unserer Bestimmung gerecht werden wollen, dann wird sich unser Reden und Tun an diesem Maßstab messen lassen. Führt mein Reden und Tun dazu, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe, Lust bekommen, meinen himmlischen Vater kennenzulernen?

    Dann sind wir unserer Bestimmung gerecht geworden. Dann sind wir die, die wir in Gottes Augen sind.