predigt-2020-07-05

Predigt: Daran werden sie euch erkennen

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Datum: 05.07.20
Bibelstelle: Johannes 13,35
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Unser ganzes Leben ist geprägt von Erkennungszeichen. Viele Gruppen zeichnen sich durch ein bestimmtes Erkennungszeichen aus, z. B. Ärzte und Krankenschwestern an den weißen Kitteln, Polizisten an der Uniform.

Woran erkennen wir Nachfolger von Jesus Christus? Wenn du dich als Jünger von Jesus verstehst: Woran wird das erkennbar?

Die Kennzeichen der "Jüngerschaft", wie sie Jesus ausführt, haben wenig mit Äußerlichkeiten, sondern mit einer Lebenshaltung und einem Lebensstil zu tun. Für Jesus war Jüngerschaft ein zentrales Anliegen.

Im Neuen Testament sind mit "Jüngern" zunächst die 12 Männer gemeint, die Jesus von Nazareth zu Beginn seiner öffentlichen Wirkungszeit in sein Team berufen hat. Außerdem ist im Lukasevangelium Kapitel 10) zusätzlich die Rede von 72 Jüngern, die Jesus ausgesandt hat, um die Nachricht vom Anbruch des Reiches Gottes in die Städte und Dörfer zu tragen.

Dann aber, mit dem Vermächtnis von Jesus, dem sogenannten Missionsbefehl, bekommt der Begriff "Jünger" noch eine erweiterte Bedeutung: "Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." (Matthäus 28,19)

"Machet zu Jüngern alle Völker." Jüngerschaft ist also nicht einer ausgewählten Truppe junger Männer zu Lebzeiten des irdischen Jesus vorbehalten.

Da stellt sich die Frage nach dem Wesen der Jüngerschaft. Was sind die Kennzeichen von Jüngern und Jüngerinnen Jesu?

  1. Sie richten sich nach seinen Worten.

    Jesus sagte zu den Menschen, die nun an ihn glaubten: "Wenn ihr euch nach meinen Worten richtet, seid ihr wirklich meine Jünger." (Johannes 8,31)

    Ob jemand ein Jünger oder eine Jüngerin von Jesus ist, entscheidet sich nicht am richtigen Bekenntnis, sondern an der Ausrichtung an seinen Worten.

    Dabei bedeutet "Jüngerschaft" nicht Perfektion. Jünger müssen, ja sie können gar nicht fehlerlos sein. Aber sie sind bereit, ihr Leben immer wieder an den Worten von Jesus zu messen und wenn nötig neu auszurichten.

  2. Sie folgen seinem Beispiel.

    Ich habe euch ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Tut, was ich für euch getan habe. (Johannes 13,15)

    Aus dem Zusammenhang gerissen könnte dieser Vers ein völliges Zerrbild des Glaubens entstehen lassen. Kein Mensch kann das tun, was Jesus für uns getan hat: ER, Jesus, ist der Erlöser. Allein durch sein Sterben am Kreuz hat er uns und der ganzen Menschheit einen Zugang zu Gott geschaffen.

    "Jünger sein" heißt "Nachfolger sein": Jesus hat mit seinem Sterben den Widerstand der Sünde gebrochen. Jesus hat den Weg frei gemacht.

    Der Begriff der "Heiligung", der heute ziemlich aus der Mode gekommen ist, meint nichts anderes als diesen Freiraum einnehmen, den Jesus uns geschaffen hat. Heiligung heißt: "Nachvollzug des Vorgegebenen". Nur so findet Jüngerschaft zu ihrer wahren Bestimmung.

    Jesus demonstriert seinen Jüngern, wie das Miteinander einer christlichen Gemeinschaft auszusehen hat. Wenn wir zur Jüngerschaft gehören wollen, dann sind wir in eine Dienerschaft berufen. Wie kann ich dem anderen dienen?

  3. Sie wirken nach außen.

    Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe. An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid. (Johannes 13,34+35)

    Die Tatsache, dass die frühe Kirche sich in wenigen Jahrzehnten ausbreiten konnte, hat auch damit zu tun, dass die Menschen vom Gemeindemiteinander fasziniert waren.

    Zu solch einer Gemeinschaft, in der Arme und Reiche, Frauen und Männer, Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe respektvoll und in Liebe miteinander umgingen, wollte man gehören.

Noch ein Satz zum Schluss: Kein Jünger muss entmutigt aufgeben, wenn er auf dem Weg der Christusnachfolge Scheitern erlebt. Wir sind allesamt Schüler. Schüler machen Fehler.

Das Kennzeichen der Jüngerschaft ist nicht die Perfektion, sondern die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen und ganz nah an dem zu bleiben, der unser Herr und Meister ist: Jesus Christus.