predigt-2020-03-15

Predigt: Das Mahl des Herrn

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Datum: 15.03.20
Bibelstelle: 1. Korinther 11,23-26
Redner: Gregor Müller

Zusammenfassung:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. (1. Korinther 11,23-26)

  1. Die Einsetzung des Herrenmahls

    Jesus hat das Mahl des Herrn – traditionell oft Abendmahl genannt – anlässlich der letzten Passah-Mahlzeit eingesetzt, die er mit seinen Jüngern am Abend vor seiner Kreuzigung feierte.

    Damals trug er seinen Jüngern auf, das Gedächtnis an sein Heilswerk durch eine doppelte symbolische Handlung aufrechtzuerhalten:

    • ein Brot zu teilen und
    • aus einem Kelch zu trinken.

    Das gebrochene Brot stellt den Leib des gekreuzigten Jesus Christus dar (Matthäus 26,26). Der Wein versinnbildlicht sein vergossenes Blut (Matthäus 26,27-28).

  2. Die Bedeutung des Herrenmahls

    • Erinnerung – an das Opfer Christi

      Das Herrenmahl hielt die Erinnerung an den Tag lebendig, an dem die Israeliten durch das Blut eines Lammes an ihren Türpfosten vor dem Tod bewahrt geblieben und aus der ägyptischen Sklaverei befreit worden waren. Das von Gott eingesetzte Passah-Mahl erinnerte an dieses Ereignis.

      Gleicherweise bewahrt das Herrenmahl die Erinnerung an das Opfer Jesus Christi, dessen Blut den Gläubigen rechtfertigt und vor dem Gericht schützt (Römer 5,9) und ihn von der Sünde befreit (Offenbarung 1,5-6).

      Jesus Christus war das makellose Lamm Gottes, das sich für das Heil der Welt opferte (Johannes 1,29; 1. Petrus 1,18-19). Das Mahl des Herrn wird zum Gedächtnis an das Opfer Jesu Christi gefeiert (1. Korinther 11, 24-25).

    • Verkündigung – des Todes des Herrn

      Das Herrenmahl ist nicht nur eine Gedächtnisfeier, sondern auch eine Proklamation des Todes des Herrn (1. Korinther 11,26).

      Das Mahl des Herrn begehen heißt, den Menschen die in Jesus Christus angebotene Erlösung vor Augen zu führen; heißt bekennen, dass das von Jesus Christus seinerzeit vollbrachte Werk noch immer wirksam ist für jeden, der heute an ihn glaubt.

    • Zeichen – des Neuen Bundes

      Bei der Einsetzung des Herrenmahles hatte Jesus auch die Bedeutung der Mahlzeit im Sinn, die im Alten Testament nach dem Abschluss eines Bündnisses stattfand:

      • Durch ein gemeinsames Essen bekundeten die Teilnehmer ihren Vertragsschluss und ihre Bereitschaft, das Abkommen einzuhalten (1. Mose 26,28-30).
      • Auf den Bundesschluss zwischen Gott und Israel am Berg Sinai folgte ebenfalls eine Mahlzeit (2. Mose 24,3-11).

      So ist das Herrenmahl Zeichen des Neuen Bundes zwischen Gott und den Gläubigen, der in Jesus Christus geschlossen wurde (1. Korinther 11,25).

      Christus nimmt unsere Sünde und das verdiente Gericht auf sich und starb daran für uns – während der Mensch, wenn er Christi Leiden (sein Blut) für sich nimmt, das Leben gewinnt.

    • Freude – als Sinnbild des kommenden Hochzeitsmahls des Lammes

      Das Herrenmahl lässt uns auch in die Zukunft blicken – auf die Wiederkunft des Herrn (Matthäus 26,29)

      Es ist ein Vorabbild vom Hochzeitsmahl des Lammes, an dem die Gläubigen teilnehmen werden, wenn die Gemeinde mit Christus vereinigt wird (Offenbarung 19,7-9; 3,20; Jesaja 25,6; vgl. Matthäus 22,1-14).

      Unter diesem Blickwinkel ist das Mahl des Herrn eine frohe Feier, da sie den Höhepunkt der Gemeinschaft mit Gott versinnbildlicht. Hier ist die Gemeinschaft am Ziel. Hier ist die Freude an Christus und seiner Gemeinde vollkommen.

      Bonhoeffers Gedanken über das Abendmahl bilden den Abschluss seines Buches "Gemeinsames Leben". Das ist kein Zufall, denn Bonhoeffer ist der Überzeugung, dass eine christliche Gemeinschaft hier am Ziel angekommen ist, um am Tisch des Herrn ihn selbst zu empfangen.

    • Gemeinschaft – unter den Gläubigen

      Schließlich ist das Mahl des Herrn Ausdruck der Gemeinschaft unter den Gläubigen (1. Korinther 10,17; vgl. Apostelgeschichte 2,42).

      Zusammen essen ist mehr als nur satt zu werden. Denn es geht darum, sich auszutauschen, zu erfahren wie es dem Anderen geht. Zusammen zu beten, zu trösten, aber auch zu ermahnen und den anderen wiederaufzubauen.

      Das alles gehört auch zum Abendmahl. Und nicht zuletzt soll man vor dem Abendmahl sich versöhnen mit seinem Nächsten und das ausräumen, was zwischen dir und dem anderen steht.

  3. Voraussetzungen zur Teilnahme am Mahl des Herrn

    Wer am Herrenmahl teilnimmt, bezeugt seine Beziehung zu Jesus Christus. Es ist unerlässlich, Jünger Jesus zu sein, um das Mahl des Herrn zu nehmen (vgl. Apostelgeschichte 2,41-42).

    Einzig der Glaube ermöglicht es, Nutznießer all dessen zu sein, was das Opfer des Leibes und Blutes Christi zugänglich gemacht hat. Wer am Herrnmahl teilnehmen will, muss zuvor seinen Glauben an Jesus Christus bekannt haben.

    Darüber hinaus ist es unerlässlich, vor Gott aufrichtig und ehrlich zu sein. Man muss sich selbst prüfen (1. Korinther 11,28), d. h., seinen geistlichen Zustand überprüfen und sich vergewissern, dass man im innersten Denken mit dem übereinstimmt, was das Herrenmahl zum Ausdruck bringt (vgl. 1. Johannes 3,21-24).

    Natürlich kann durch das Abendmahl auch eine Sünde vergeben werden. Vor allem aber ist es eine Erinnerung, dass durch Jesus unsere Sünden für immer vergeben sind. Das Abendmahl soll dir als Christ zusprechen: DEINE SCHULD IST VERGEBEN durch das Blut Jesu durch seinen Tod am Kreuz.

    Abendmahl ist also als Vergewisserung gedacht, dass unsere Schuld vergeben ist. Das Kreuz ist der Ort, an dem Jesus das Abendmahl erst möglich gemacht hat, denn ohne Vergebung gäbe es kein Abendmahl.