predigt-2020-03-08

Predigt: Kleine Ursache – große Wirkung

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Datum: 08.03.20
Bibelstelle: Matthäus 13,31-33
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf einen Acker säte; das ist das kleinste unter den Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, sodass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen. Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war. (Matthäus 13,31-33)

Auch wenn in unserer Gesellschaft oft genug die Mächtigen, die Finanzstarken und Einflussreichen im Rampenlicht stehen und Aussicht auf Erfolg haben: Kleine Dinge können Großes bewirken.

Gegenwärtig erleben wir, wie ein Virus die Welt in Atem hält. Rasend schnell verbreitet sich winzig kleines Gebilde, tausende Menschen erkranken, Geschwächte sterben, und die Weltwirtschaft spürt die Auswirkungen.

"Kleine Ursachen – große Wirkungen!" – Diese Gesetzmäßigkeit gilt aber auch im positiven Sinn: Ein gutes Wort, ein Zeichen der Zuwendung kann einen anderen von einem folgenschweren Schritt abhalten.

Ein winziges Senfkorn kann zu einem großen Strauch wachsen, ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuern. – In diesen zwei kurzen Gleichnissen sind Gesetzmäßigkeiten des Reiches Gottes verborgen.

Dabei sollte die Vorgeschichte der Zuhörer damals beachtet werden. "Folget mir nach!" Mit dieser Aufforderung hatte Jesus die Jünger mitten aus ihrem Alltagstrott herausgerufen. Mit drei Worten hatte er ihre Lebensplanung völlig auf den Kopf gestellt. Mit dieser Aufforderung bekam das Leben der 12 Männer eine völlig neue Richtung und einen neuen Inhalt. Vieles, wofür die Jünger bisher Zeit, Energie und Geld aufgebracht hatten, war plötzlich nebensächlich geworden.

Dabei gingen die Jünger ein hohes Risiko ein. Wir wissen heute, wie die Sache mit Jesus ausging. Wir lesen die Evangelien von Ostern und Pfingsten her. Doch die Jünger damals lassen sich auf einen Weg ein, dessen Ende sie noch nicht abschätzen können: War Jesus tatsächlich der von Gott gesandte Messias und Retter? Hat es sich gelohnt, das bisherige sichere Leben aufzugeben? War es den Einsatz wert?

Menschen sind gesund geworden, Hungrige satt und Verzweifelte haben einen Sinn für ihr Leben gefunden. Aber nüchtern betrachtet war die Sache mit Jesus doch eher eine unscheinbare Angelegenheit. Die Jesusleute waren eine kleine Minderheit, die die im Blick auf ganz Israel kaum eine Rolle spielte.

Hier setzt Jesus mit seinen Gleichnissen an. "Freunde", antwortet der Bergprediger, "ich verstehe eure Fragen. Eure Zweifel sind mir nicht fremd – aber beachtet die Gesetzmäßigkeiten des Reiches Gottes":

  1. Reichgottesgeschichte ist die Geschichte der unscheinbaren Anfänge

    Gott beginnt sein Heilswerk mit einem schreienden Säugling, der abseits des Weltgeschehens in einem Schafpferch das Licht der Welt erblickt.

    Jesus zieht als religiöser Lehrer durch Israel, heilt Kranke, lehrt vom Reich Gottes – und dann am Ende bezahlt er unsere Schuld mit seinem Leben.

    Was macht diese Botschaft mit uns? Berührt sie uns noch? Schon Martin Luther konstatierte: "Wenn man vom Artikel der Rechtfertigung predigt, so schläft das Volk und hustet."

    Die Botschaft vom Kreuz und der Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben ist die beste Nachricht, die ein Mensch hören kann und gleichzeitig ist sie ein echte Zumutung.

  2. Reichgottesgeschichte ist die Geschichte der Herablassung

    "Herablassung" meint hier "vom hohen Ross herabsteigen", etwas zu tun, was man aufgrund seines gesellschaftlichen Status nicht nötig hätte.

    Jesus, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen: Aber er erniedrigte sich noch mehr: Im Gehorsam gegenüber Gott nahm er sogar den Tod auf sich; er starb am Kreuz wie ein Verbrecher. (Philipper 2,6-8)

    Reichgottesgeschichte beginnt damit, dass der Sohn Gottes seinen herrschaftlichen Thron verlässt und sich ins Elend dieser Welt begibt.

    Wenn wir die Geschichte der Kirche betrachten, dann wird deutlich, dass die Ausbreitung des Reiches Gottes zutiefst mit der Gesetzmäßigkeit der Herablassung verknüpft ist. Sich selbst erniedrigen, sich bis aufs Äußerste zu den Menschen herablassen, ist die zentrale Ausgangsposition jeglicher missionarischen Aktion.

    Weltgeschichte wird von oben geschrieben. Reichgottesgeschichte dagegen wird von unten geschrieben.

    Die Bedeutung der praktischen, der tätigen Hinwendung und des sozialen Einsatzes für die Menschen, ist für jemanden, der dem Glauben fremd ist, weitaus größer als die theologische Erkenntnis und das Wissen um einen gnädigen Gott.

  3. Reichgottesgeschichte ist die Geschichte eines langen Weges

    Bis ein Senfkorn zu einem 1,5 Meter hohen Strauch gewachsen ist – das kann dauern. Bis der Sauerteig den Gesamtteig durchsäuert hat, bis der Teig aufgegangen ist – das kann dauern.

    Das Reich Gottes explodiert nicht in diese Welt hinein – sondern ist eingebunden in einen Wachstumsprozess. Und Wachstum braucht Zeit.

    Eine Frage, die sich durch die gesamte Schrift zieht, lautet: "Herr, wie lange noch?" (z. B. Ps 89,47; Habakuk 1,2). Ob es uns gefällt oder nicht: Reichgottesgeschichte ist die Geschichte eines langen Weges, auf dem es keine Abkürzungen gibt.

    Scheitern, aufstehen, weitergehen. – Zweifeln, Hoffnung, Gewissheit. – Verletzungen, Genesung, Heilung.

    Herr, wie lange noch? Herr, wie oft noch?

  4. Reichgottesgeschichte ist Geschichte mit gutem Ausgang

    Jawohl, es dauert – aber es wird. Das Ende ist kein offenes Ende. Der Weg der Nachfolge ist kein Weg, bei dem nicht klar ist, ob er uns ans Ziel oder in den Abgrund führt.

    Das winzige Senfkorn wird wachsen: "… wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, so dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen." Das Unscheinbare wird wachsen. So groß, dass es am Ende zu einem Zufluchtsort wird.

    Der Sauerteig wird nicht in einer Ecke des Teiges vor sich hin säuern. Es wird den ganzen Teig durchsäuern und in schmackhaft machen.

    Kleine Ursache – große Wirkung!

    Was für das große Ganze des Reiches Gottes gilt, das gilt auch für unser ganz persönliches Leben als Christen. Bei allen schwierigen und steilen Wegführungen, durch alle Krisen hindurch dürfen wir fest darauf vertrauen, dass unser Leben einen guten Ausgang nehmen wird:

    Ich bin überzeugt, dass der, der etwas so Gutes in eurem Leben angefangen hat, dieses Werk auch weiterführen und bis zu jenem großen Tag zum Abschluss bringen wird, an dem Jesus Christus wiederkommt. (1. Petrus 1,6)