predigt-2020-02-16

Predigt: So ist Versöhnung

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Datum: 16.02.20
Bibelstelle: 1. Mose 33,1-14
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Die Anlässe eines Streits können sehr verschieden sein und manchmal dem Außenstehenden äußerst gering und lächerlich erscheinen.

Plötzlich entsteht ein Graben, der von Jahr zu Jahr unüberbrückbarer wird. Am Ende dieses Beziehungskonfliktes wird der andere für tot erklärt: "Derjenige/diejenige ist für mich gestorben." Dann gibt keinen Weg zurück mehr – denn mit einem Toten kann man nicht verhandeln.

Gibt es einen Menschen, mit dem du in Unversöhnlichkeit lebst?

Wenn ja, dann hast du ein echtes Problem, du schadest du dir selbst: Wer in Unversöhnlichkeit verharrt, öffnet körperlichen und seelischen Krankheiten Tür und Tor.

Und du hast ein Problem im Blick auf deinen Glauben und deine Gottesbeziehung: "Unser Vater im Himmel … und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben denen, die an uns schuldig geworden sind."

Jesusleute, Christen, die ernsthaft Jesus Christus nachfolgen und von seiner Vergebung leben, stehen in der Pflicht, den Weg der Versöhnung zu beschreiten. Sie können die Gnade des versöhnlichen Gottes nicht genießen und gleichzeitig die Hand zur Versöhnung ausschlagen.

Jakob, die Hauptfigur des Berichtes aus dem Predigtext, ist mit seiner Großfamilie unterwegs zu seinem Zwillingsbruder Esau, den er in jungen Jahren aufs Übelste betrogen und hinters Licht geführt hatte. Jahrzehntelang hatte es keine Begegnung mehr zwischen den Beiden gegeben. Eiszeit herrschte in der Beziehung der beiden Zwillinge.

Dann kommst es zu einem Zusammentreffen zwischen den beiden zerstrittenen Brüdern. Jakob traf einige Vorsorgemaßnahmen, um den Schaden, der bei einer gewaltsamen Racheaktion seines Bruders entsteht, möglichst gering zu halten.

Esau rückt mit seinem Heer an: Und Jakob hat keine Ahnung, ob und wie seine Sippe dieses Zusammentreffen überleben wird. Jakob stellt seine Familie so auf, dass er diejenigen, auf die er im schlimmsten Fall verzichten kann, an die Front stellt.

Könnt ihr euch vorstellen, wie sich diejenigen gefühlt haben müssen, die ganz vorne standen? Vielleicht ist der eine oder andere unter uns selbst in einer Familie großgeworden, in der es Lieblings-Söhne und -Töchter gab. Wer möchte, dass seine Kinder nachhaltig Schaden nehmen und die Familie über seinen Tod hinaus zerrüttet ist, lässt sich auf dieses unheilvolle Spiel ein.

Als es dann zur Begegnung kommt, sind alle Befürchtungen umsonst. Alle Stunden, in denen Jakob nachts wachgelegen und sich grübelnd von einer Seite auf die andere gewälzt hatte, waren sinnlos.

So ist Versöhnung: Jakob selbst lief an die Spitze des Zuges und verbeugte sich siebenmal, bis sie seinen Bruder erreicht hatten. Der rannte Jakob entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Beide fingen an zu weinen. (1. Mose 33,3-4)

Die Stunde der Versöhnung ist gekommen. Die beiden Zwillinge werden von ihren Gefühlen übermannt und liegen sich weinend in den Armen. Die langen Jahre, in denen sich die Brüder aus dem Weg gegangen sind, sind zu Ende. Die Zeit des Schweigens ist vorbei.

Der sicher berechtigte Zorn des Esau ist verraucht. Und auch Jakob ist zwar immer noch der derselbe – aber nicht mehr der gleiche. Er ist der Träger eines neuen Namens. Gott selbst hatte ihm einen neuen Namen mit auf den Weg gegeben: "Is-ra-el", das so viel bedeutet wie "Gottesstreiter".

Menschen, denen Gott in den Weg getreten ist und die ihr Leben in Gottes Hand legen und ihm gehorchen, sind veränderte Menschen: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Neue Kreaturen aber können sich nicht in Unversöhnlichkeit einnisten. Sie sind herausgefordert, in zerrütteten Beziehungen den ersten Schritt auf den anderen zuzugehen.

Versöhnung hat Priorität. Versöhnung geht vor – vor Gottesdienst, vor Lobpreis, vor Mitarbeit.

Wie hoch die Schuldanteile der beiden Parteien anzusetzen sind, ist nicht gefragt. Sondern: Wer ist der erste, der aus seiner Bitterkeit auftaucht und die Hand zur Versöhnung reicht?

Schritte zur Versöhnung:

  1. Mach dich auf den Weg.
  2. Bitte Christus, mögliche innere Blockaden, die einer Versöhnung entgegenstehen, in deinem Herzen auszuräumen.
  3. Erinnere dich bewusst daran, dass du als Christ von der Versöhnung lebst, die dir durch Christus geschenkt ist. Wenn du noch kein Christ bist: Entscheide dich bewusst dafür, die Versöhnung durch Jesus Christus anzunehmen.
  4. Durch den Heiligen Geist wird der Wunsch zur Versöhnung gestärkt. Er wird Wunden heilen, die dir geschlagen wurden und dir Kraft geben, innere Widerstände zu überwinden.
  5. Versuche den Blick für deinen eigenen Schuldanteil am Streit zu entdecken (Matthäus 7,3-5).
  6. Wage den ersten Schritt auf den anderen zu.

Versöhnung hat Priorität.