predigt-2020-02-02

Predigt: Der, der mit Gott kämpft

Zur Predigtübersicht

Datum: 02.02.20
Bibelstelle: 1. Mose 32,25-32
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Ein im wahrsten Sinne mysteriöses Ereignis aus der Zeit der Erzväter überliefert uns 1. Mose 32. Der Ringkampf zwischen Jakob und seinem geheimnisvollen Gegner findet in der Dunkelheit der Nacht statt. Vieles bleibt dem Betrachter verborgen.

Dabei wurde vor diesem Zeitpunkt das Leben Jakobs und seiner Familie außergewöhnlich hell ausgeleuchtet. Vieles war ins Scheinwerferlicht geraten, das absolut nicht dazu geeignet ist, die Erzväter Israels als leuchtende Helden aussehen zu lassen. Zu viele dunkle Flecken in der Familie Jakobs wurden beleuchtet.

Mit List und Tücke hatte Jakob seinen Zwillingsbruder Esau um den Segen des Vaters betrogen. Doch Jakob fühlt sich mies: Da ist zum einen die ständige Angst vor der Rache seines Bruders und zum anderen das dumpfe Gefühl, dass ein ergaunerter Segen gar kein echter, wirklicher Segen ist.

Jakob ahnt, dass er nicht eher zu Ruhe kommen wird, bevor er sich seiner Vergangenheit gestellt und mit seinem Bruder versöhnt hat. Jakob muss sein Leben zu ordnen. Er kann und will nicht weiterleben wie bisher.

  • Von einem klugen Mann, der vorbaut

    Also schickt Jakob Botschafter zu seinem Bruder, die um Gnade bitten sollen. Und er sorgt vor: Er teilt seine Sippe und seine Tiere in zwei Lager und hofft, so wenigstens die Hälfte seines Besitzes retten zu können. (1. Mose 32,7-9)

    Und Jakob stand in jener Nacht auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde und seine elf Söhne und zog über die Furt des Jabbok; und er nahm sie und führte sie über den Fluss und führte hinüber, was er hatte. Und Jakob blieb allein zurück. (1. Mose 32,23-25)

    "Jakob blieb allein zurück" – Was Jakob zu regeln hat, dass kann er nur allein klären. Es ist eine Angelegenheit, die nur ihn und seinen Bruder angeht.

    Es gibt geistliche Kämpfe, die wir nur allein mit Gott ausfechten können, selbst wenn wir in eine tragfähige Gemeinschaft eingebunden sind.

  • Von einem nächtlichen Überfall

    Und Jakob blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam. (1. Mose 32,25)

    In der Dunkelheit wird Jakob überfallen. Eine rätselhafte Person lauert ihm auf und greift ihn an, wie ein Wegelagerer aus dem Hinterhalt.

    Wer auch immer hier in der Dunkelheit lauert, in der Gestalt am Jabbok rückt Gott Jakob auf die Pelle.

    Wenn Gott uns in ein Leben tieferer geistlicher Qualität hineinführen will, dann kann es sein, dass er uns auf eine Art und Weise begegnet, auf die wir nicht vorbereitet waren. Dann kann es sein, dass wir in innere Auseinandersetzungen geraten, die uns und unsere bisherigen Vorstellungen von Nachfolge ordentlich erschüttern.

    Gott bringt uns in Notsituationen, er stürzt uns in Krisen. Aber er liebt uns vielleicht nie so praktisch wie in diesen Zeiten, wo er in unser Leben hineingreift und uns schwierigste Dinge durchleben lässt. Situationen, wo wir an unsere Grenzen kommen und nicht weiter wissen.

    Dann haben wir das Gefühl, dass es im Glauben nicht mehr vorangeht, dass Gott nicht mehr an uns denkt. Aber dies sind die Zeiten, in denen Gott uns auf etwas Neues vorbereitet und uns deutlich macht, dass unsere Grenzen nicht seine Grenzen sind.

  • Von einem, der nicht locker lässt

    Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam. Und als dieser sah, dass er Jakob nicht überwältigen konnte, berührte er dessen Hüftgelenk; und das Hüftgelenk Jakobs wurde verrenkt … Da sagte göttliche Kämpfer: Lass mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen! (1. Mose 32,25-27)

    Jakob lässt nicht locker – er umklammert seinen Gegner, hält ihn im Schwitzkasten? Als sich am Horizont das Morgenrot zeigt, möchte der Angreifer den Kampf beenden.

    Jakob stellt eine Bedingung: "Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich." Jakob war ein Lügner, hinterlistig und verschlagen – aber hartnäckig und zielstrebig war er. Und: "An Gottes Segen war ihm alles gelegen!"

    Vieles in diesem Bibelabschnitt wirft Fragen auf und lässt sie am Ende offen. Vieles scheint unserem Gottesverständnis zu widersprechen. Eines lässt sich jedoch festhalten: Gott lässt sich den Segen abringen. Wir dürfen um Gottes Segen bitten und ihn uns gegenseitig zusprechen.

  • Von Namen, die weder Schall noch Rauch sind

    Da sprach er zu ihm: Was ist dein Name? Er sagte: Jakob. Da sprach er: Nicht mehr Jakob soll dein Name heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast überwältigt. (1. Mose 32,28-29)

    Namen spielen in der Bibel eine wichtige Rolle. Wenn Gott Jakob nach seinem Namen fragt, dann konfrontiert er ihn mit dessen Vergangenheit. Gott fordert den Betrüger heraus, sich seinem bisherigen Lebensmuster zu stellen. Sein Leben war auf eine Aneinanderreihung von Lügen gebaut.

    Was ist dein Lebensmuster? Was treibt dich an? Wie versucht du, im Leben Glück und Anerkennung zu erlangen? Was sind die Dinge, die dich immer wieder einholen?

    Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob. Sein göttlicher Gegner fragt ihn nicht nach Einzelheiten. Jakob muss Gott nicht informieren. Er soll nur seinen Namen nennen, nur sich selbst und Gott stellen.

    Im selben Moment, indem Jakob zu seiner Vergangenheit steht, übernimmt Gott das Kommando über sein zukünftiges Leben: "Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel!"

    Du bist nicht mehr der Alte. Du bist nicht mehr deine Vergangenheit, deine Prägung, deine alten Fehler. Der alte Mensch ist Vergangenheit.

    Hier hat es eine Vorschattung dessen, was Paulus viele Jahrhunderte später mit den Worten ausdrückt: Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. (2. Korinther 5,17-18)

    In dem Augenblick, indem ein Mensch sein Leben Christus unterstellt, ist "das Alte vergangen und Neues geworden".

    "Israel" sollst du heißen: "Gott herrscht" oder "Gott streitet für uns". Von einem Flüchtling mit schlechtem Gewissen wird Jakob zu Israel, einem Menschen, der in Gottes Heilsgeschichte eingebunden wird.

    Und Jakob fragte und sagte: Teile mir doch deinen Namen mit! Er aber sagte: Warum fragst du denn nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort. (1. Mose 32,30)

    Nachdem Gott Jakob gestellt und erneuert hat, segnet er ihn – und das ist jetzt kein erschwindelter Segen mehr, sondern ein wirklich göttlicher.

  • Vom Beginn eines neuen Tages

    Und die Sonne ging über ihm auf. (1. Mose 32,32)

    Der göttliche Segen stellt Jakob ins Licht. Die Schatten der Vergangenheit sind verschwunden. Wir könnten auch "von einer Stunde der Bekehrung" des Jakob sprechen.

    Gottes Segen krempelt das Leben eines Menschen gründlich und nachhaltig um. Werden wir uns auf diese Art der Gottesbegegnung einlassen? Wirst du dich darauf einlassen? Ist die Sehnsucht nach Gottes Segen so stark, dass du bereit bist, dich IHM zu stellen, IHN an dein bisheriges Lebensmuster heranzulassen und es umgestalten zu lassen?

  • Von einem unbequemen Denkzettel

    Und als er sah, dass er ihn nicht überwältigen konnte, berührte er sein Hüftgelenk; und das Hüftgelenk Jakobs wurde verrenkt, während er mit ihm rang. Und die Sonne ging ihm auf, als er an Pnuël vorüberkam; und er hinkte an seiner Hüfte. (1. Mose 32,26.32)

    Jakob kommt bei der Gottesbegegnung nicht ungeschoren davon. Jakob verlässt die Kampfstätte als ein Mensch, der angeschlagen ist, der hinkt.

    Wieder bleiben Fragen offen. Warum dieser schmerzhafte Seitenhieb Gottes?

    Hier zeigt sich die Realität dieser Gottesbegegnung: Der Kampf mit Gott war keine ausschließlich innerseelische Angelegenheit. Es war kein Traum, der am nächsten Morgen vergessen ist.

    Die Auseinandersetzung am Jabbok hat körperliche Spuren hinterlassen. Jakob bekommt einen göttlichen Denkzettel verpasst. Mit jedem Schritt, den Jakob zukünftig gehen wird, wird er daran erinnert, dass seine Vergangenheit geklärt und er ein neuer Mensch geworden ist.

    Jakobsleute sind Menschen mit einer neuen Gangart. Es sind Menschen, die aus der Begegnung mit Gott anders hervorgehen, als sie vorher waren. Es sind Menschen, die sich ihrer dunklen Seite stellen und um den Segen Gottes ringen: "Ich lasse dich nicht – du segnest mich denn!"