predigt-2019-11-24

Predigt: Leben – Was hat es mit dem EWIGEN LEBEN auf sich?

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Datum: 24.11.19
Bibelstelle: Lukas 15,15.24; Markus 10,17 u. a.
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Die Vorstellungen, was "ewiges Leben" bedeutet, sind sehr verschieden.

Das Leben ist lebenswert – also müssen wir dafür sorgen, dass es so lange wie möglich dauert. "Ewiges Leben" als unbegrenzte Lebenszeit auf dieser Erde?

Mit dem Ziel, die Lebensdauer eines Menschen bis ins Unendliche auszuweiten, ist die Biotechnologie zurzeit mächtig unterwegs. Wer würde am Ende davon profitieren? Wie viele Menschen kann diese Erde ertragen? Ist ein Leben ohne Ende überhaupt erstrebenswert? Diese Fragen scheinen bei der Forschung nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Was hat es mit dem ewigen Leben auf sich? Es gibt dazu im Neuen Testament eine Vielzahl von sich ergänzenden Aussagen.

Als Jesus damals zu den Menschen sprach, hielt er ihnen keine theologischen Fachvorträge, sondern er erzählte ihnen Geschichten. Geschichten machen Wahrheiten lebendig. Eine seiner bekanntesten Geschichten ist das Gleichnis von dem liebevollen Vater und seinen beiden erwachsenen Söhnen (Lukas 15).

Einer der Söhne sucht sein Glück in der Ferne. Irgendwie aber läuft dieses neue Leben nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Das Startkapital für das neue Leben ist schneller verbraucht als erwartet. Als das Erbe verprasst ist, ist der Traum von der großen Freiheit ausgeträumt: Und er ging hin und machte sich abhängig von einem der Bürger jenes Landes, der schickte ihn auf seine Äcker, Schweine zu hüten. (Lukas 15,15)

"… er machte sich abhängig": Der Sohn, der die sich von seinem Vater lossagt, dem Vater, der sich ein Leben lang liebevoll um ihn gekümmert hat, macht sich abhängig von einem Schweinezüchter, der nichts anderes im Sinn hat, als ihn auszubeuten. Die angestrebte Freiheit ist exakt ins Gegenteil umgeschlagen.

Völlig am Boden, bettelarm und halb verhungert, erinnert sich der Sohn an die Zeit bei seinem Vater. Obwohl er sich schämt, macht er sich auf den Weg zurück, nach Zuhause.

Der Vater sah ihn schon von weitem kommen; voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn … "Holt das Mastkalb und schlachtet es; wir wollen ein Fest feiern und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden." Und sie begannen zu feiern. (Lukas 15,20.23-24)

"Denn mein Sohn war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden." Mit diesem einen Satz bekommen wir ein Bild davon, was "ewiges Leben" aus biblischer Sicht bedeutet: "Ewiges Leben" meint für den Heimkehrer ein Leben in der Gemeinschaft mit dem Vater. Der bisher "Tote" hat zum Leben zurückgefunden.

Aus biblischer Sicht beginnt "ewiges Leben" in dem Moment, in dem ein Mensch von seinem eigenen, selbstgestrickten Lebensprogramm umkehrt und sich in Gottes Arme flüchtet. Ewiges Leben beginnt nicht erst dann, wenn wir uns vom irdischen Leben verabschieden, sondern dann, wenn wir bei dem "Ewigen Gott" nach Hause gekommen sind.

Wie nun können wir dieses "ewige Leben" gewinnen? Was können wir dazu beitragen? Und wo befinden wir uns unter Umständen auf dem Holzweg?

Einmal wird Jesus von einem reichen jungen Mann gefragt: "Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich ewiges Leben erbe?" (Markus 10,17)

Das ist zweifellos eine gute Frage. Vielleicht sogar die wichtigste Frage, mit der sich ein Mensch überhaupt beschäftigen kann.

Im Laufe dieses Gespräches wird deutlich, dass dieser junge Mann im Blick auf das Halten der göttlichen Gebote äußerst gewissenhaft gewesen war. Nur Jesus scheint nicht zufrieden: "Jesus sah ihn voller Liebe an. Er sagte zu ihm: "Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib den Erlös den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und dann komm und folge mir nach!" (Markus 10,21)

Der Mann war tief betroffen, als er das hörte, und ging traurig weg, denn er hatte ein großes Vermögen. (Markus 10,22)

Als die Jünger von Jesus den Mann davonschleichen sehen, sind sie völlig verunsichert. Wenn nicht der, wer dann? Wenn diese radikale, beeindruckende Frömmigkeit nicht dazu führt, das "ewige Leben" zu gewinnen, dann ist es auch für uns aussichtslos. Dann können wir alle miteinander die Sache mit dem "ewigen Leben" vergessen.

Jesus aber sah sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich. (Markus 10,27)

Wer meint, er könne sich das "ewige Leben" erarbeiten und verdienen, ist auf dem Holzweg. Alle Religionen, die den Gläubigen in Aussicht stellen, dass diese durch religiöse Übungen, durch Fasten, Gebete, durch soziales Engagement, dem Betreten heiliger Orte und was auch immer, das "ewige Leben" verdienen könnten, sind auf dem Holzweg.

Holzwege scheinen gangbar zu sein, aber sie führen ins Nichts. Wer im "ewigen, göttlichen Leben" ankommen will, kommt auf dem Holzweg der Selbsterlösung nicht weiter.

Welches ist der Weg, der zum Ziel führt? Es gibt eine eindrucksvolle Wegbeschreibung in Johannes 14,6. Da sagt Jesus: "Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.

Diese göttliche Wegführung kann verdeutlicht werden durch zwei Puzzleteile, die das Verhältnis von Gott und Mensch beschreiben.

Seitdem sich der Mensch von Gott entfremdet hat, nachdem er seinem Schöpfer den Laufpass gegeben hat, passt es nicht mehr zwischen den beiden. Zwischen dem "Heiligen Gott" und dem Menschen scheint ein Zusammensein ausgeschlossen.

Würde die Heiligkeit Gottes unmittelbar auf den Menschen treffen, könnte dieser nicht einen Augenblick bestehen.



Aber – und das ist das "Evangelium", die "Gute Nachricht" – das ist das Geheimnis, von dem das Neue Testament immer wieder und immer wieder berichtet: Gott hat einen Weg gefunden, eine Lösung für ein schier unlösbares Problem.

"Ich bin der Weg", antwortete Jesus, "ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.



ER ist der Weg! ER, der auf der einen Seite ganz Mensch ist, der das menschliche Elend in seinen tiefsten Tiefen an seinem eigenen Leib getragen hat und der gleichzeitig ganz Gott ist, ausgestattet mit göttlicher Machtfülle: Er ist das verbindende Puzzleteil. ER ist der Mittler, der Weg zu Gott und zum "ewigen Leben".

Wenn Menschen Gott begegnen und ihn erkennen wollen – dann erkennen sie ihn durch Christus. Wenn der "Heilige Gott" den Menschen anschaut, dann blickt er auf ihn durch Christus.

Der Weg zum Vater ist frei. Der Anknüpfungspunkt zwischen Gott und Mensch ist der Gekreuzigte. In diesem Moment, indem ein Mensch nach Hause findet, indem er sich empfangen weiß von Gottes Barmherzigkeit, ist er hineingenommen in ein neues ewiges Leben.

An diesem Tag ist sein geistlicher Geburtstag. Ab jetzt darf er sich mit Recht und Fug "Kind Gottes" nennen. Sein Herz beginnt im Takt Gottes zu schlagen. Gottes Geist hat in seinem Leben Wohnung genommen und beginnt es nach und nach umzugestalten.

Diejenigen, die "ewiges, göttliches Leben" haben, diejenigen die den Weg des Glaubens an Jesus Christus beschritten haben, werden es nicht verlieren – niemals. Bei Gott, bei dem Vater sein für immer – das ist Sinn und Ziel unseres Lebens. Dazu sind wir geschaffen.

Ich lade Sie ein heute Morgen ein, wie der Sohn in der Gleichniserzählung Jesu in Gottes Arme zu laufen. Der Weg zurück kann mit einem einfachen schlichten Gebet beginnen:

  • Himmlischer Vater, ich glaube, dass du mich liebst und auf mich wartest.
  • Ich möchte das Glück meines Lebens in der Gemeinschaft mir dir erleben.
  • Ich möchte dir nahe sein – und bei dir ewiges Leben finden.
  • Du hast deinen Sohn Jesus gesandt, damit er am Kreuz den Preis für meine Schuld bezahlt.
  • Alles Versagen, alle Gottesferne und Schuld lege ich unter dieses Kreuz.
  • Jesus, ich lege mein Leben in deine Hände.
  • Mein Versagen und meine Erfolge, meine Not und mein Glück gehören dir.
  • Nimm mich wie ich bin und mache mich so, wie du mich haben willst.
  • Amen.