predigt-2019-11-10

Predigt: Den unbekannten Gott verkündigen (Krasse Zeiten. Starker Glaube – Teil 6)

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Datum: 10.11.19
Bibelstelle: Apostelgeschichte 17,16-34
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Wie multireligiös ist Deutschland?

Wie gelingt es uns in unserer pluralistischen Gesellschaft die göttliche Wahrheit so zu vermitteln, dass sie verstanden werden kann, damit Menschen zu einer Entscheidung für den christlichen Glauben kommen können?

Das Evangelium fällt auf religiös besetztes Gebiet und – wie kann es anderes sein – es gibt Rumor. Christliche Missionare werden angefeindet.

Dennoch ist der Einsatz der Missionare trotz aller Widerstände nicht vergeblich. Immer wieder hat es Menschen, die sich von ihrer "alten Religion" abwenden und ihr Leben Jesus Christus anvertrauen.

Wir sind herausgefordert, unseren Glauben transparent zu leben und für die befreiende Botschaft von Jesus Christus zu werben.

Welche Hilfestellungen dazu kann uns Paulus als der herausragende Völkermissionar geben?

  1. Mission als Herzensangelegenheit

    Während Paulus nun in Athen auf die beiden wartete, sah er sich in der Stadt um. Empört und erschüttert stellte er fest, dass ihre Straßen von zahllosen Götterstatuen gesäumt waren, und er begann, mit den Leuten Gespräche zu führen. (Apostelgeschichte 17,16-17)

    Paulus spaziert durch Athen, er erschnuppert das religiöse Klima.

    Dabei stößt er auf eine Welt im Umbruch – und zwar nicht nur in politischer, sondern vor allem auch in religiöser Hinsicht: Moderne philosophische Gedankengebäude treffen auf eine bunte Mischung aus alten Götzenvorstellungen und den verschiedensten mythischen Ritualen.

    Wir erleben die Umformung traditioneller Kirchlichkeit in eine neue, individuelle, diesseitig und synkretistisch (von Vermischung) geprägte Religiosität.

    Paulus blickt hinter die religiöse Fassade: Er sieht Menschen, die trotz ihres religiösen Einsatzes an der Bestimmung ihres Lebens vorbei leben.

    Paulus entdeckt eine offenkundige Angst: Er stößt auf einen Altar, den man dem "unbekannten" Gott geweiht hat. Die Athener mit ihren vielen Göttern fürchteten sich vor dem Gott, den sie womöglich vergessen hatten.

    Die große unbeantwortete Frage der hellenistischen Welt war die Frage: Was kommt nach dem Tod? Ist unsere Gesellschaft wirklich so weit von den Menschen damals weg?

    In der Auseinandersetzung mit Sterben und Tod befällt viele unserer Zeitgenossen die große Schweigsamkeit. Wer einmal eine Beerdigung erlebt hat, die von einem freien Trauerredner gehalten wurde, ahnt, was ich meine.

    Dabei ist Frage nach dem Tod und nach dem, was uns dort erwartet, die Gretchenfrage jeder Religion. Eine Religion, die im Angesicht des Todes keine Hoffnung anzubieten hat, ist im letzten Grund bedeutungslos.

    Die Auferstehung Jesu – Ostern – bietet den Kontrapunkt zu all den oberflächlichen Anleihen aus dem Zitatenschatz der Weltweisen. In der Bibel haben wir eine Botschaft gegen die Endgültigkeit des Todes.

    Wir haben eine lebendige Hoffnung! Und es wäre in hohem Maße lieblos, wenn wir sie für uns behalten würden.

  2. Mission als Hinwendung zum Nächsten

    "Bürger von Athen! Ich habe mich mit eigenen Augen davon überzeugen können, dass ihr außergewöhnlich religiöse Leute seid." (Apostelgeschichte 17,22)

    Die Schilderung vom Urwaldbewohner, der ohne das Christentum mit seiner Religion glücklich bis an sein Lebensende existiert, ist schlichtweg Unsinn: In der Gottesferne regiert die Heidenangst. Und das nicht nur irgendwo am Ende der Welt, sondern auch hier im nachchristlichen Abendland.

    Wir leben in einem Land, in dem der Lebensstandard so hoch ist wie in wenigen Ländern der Erde. Und doch erleben wir, wie Menschen mit sich selbst nicht zurechtkommen. Die verschiedensten therapeutischen Einrichtungen sind völlig überfordert.

    Menschen zerbrechen an der Sinnlosigkeit ihres Lebens. Diejenigen, die sich alles leisten können, halten ihre Sattheit nicht mehr aus.

    Das Evangelium – die Botschaft vom Weltenheiland – muss an den Mann und die Frau. Das ist die vorrangige Berufung der Jesusleute.

    Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. (1. Petrus 3,15-16)

    Antwort geben sollen wir können, und so leben, dass unser Leben herausfordert, das wäre ein wichtiger Anfang.

  3. Mission als Ruf zur Umkehr

    In der Vergangenheit hat Gott gnädig über die Verfehlungen hinweggesehen, die die Menschen in ihrer Unwissenheit begangen haben. Doch jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten zur Umkehr auf. (Apostelgeschichte 17,30)

    Paulus mutet seinen Zuhörern einiges zu. Seine Botschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes "Zu-Mutung". Die Botschaft des Evangeliums ist kein "Wort zum Sonntag", sondern der Ruf unter den lebendigen Gott und damit weg von den "alten" Götzen.

    Gott legt, im Bild gesprochen, die Hand auf einen Menschen und sagt: Ich bin dein Gott – du gehörst zu mir.

    Das Grundprogramm, das die Menschheit von Beginn an steuert, heißt:

    • Wir wollen nicht, dass dieser (Gott) über uns herrsche.
    • Wir sind autonom und wir wollen es auch bleiben.
    • Wir wollen uns von niemandem vorschreiben lassen, was richtig und falsch ist.
    • Wir behalten die Zügel für unser Leben selbst in der Hand.

    Die Reaktionen der Athener auf die Evangelisationspredigt des Paulus sind deshalb absolut normal. Aufruhr, Gelächter und Unverständnis sind die normalen Reaktionen auf die Botschaft der Auferstehung von Jesus Christus. Es gibt keinen Grund, sich zu wundern oder verschnupft das Weite suchen.

    Christinnen und Christen sollten keine Angst haben, sich mit fremden Glaubensüberzeugungen zu befassen und auseinanderzusetzen. Der Leib Christi sollte Ohren zum Hören haben und einen Mund zum Sprechen: Den eigenen Glauben kennen, und aussprechen, und den anderen Glauben achten und respektieren.