predigt-2019-10-27

Predigt: Nachfolge

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Datum: 27.10.19
Bibelstelle: Lukas 9,23
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

"Kommt, folgt mir nach!" (Markus 1,17)

Wenn wir die Botschaft des Neuen Testamentes nach ihrer Zielsetzung sortieren würden, dann könnten wir die meisten Aussagen in zwei großen Themenbereiche zusammenfassen:

  • "Komm zu mir." – Jesus lädt mich ein, ihm mein Leben anzuvertrauen.
  • "Folge mir nach!" – Jesus fordert mich dazu auf, ihm nachzufolgen.

Das zweite Thema wird weitaus ausführlicher behandelt. Große Teile des Neuen Testamentes, die berühmte Bergpredigt, die komplette Briefsammlung beschäftigen sich vorrangig mit dem Thema der Christusnachfolge.

Was heißt es ganz praktisch, Jesus Christus nachzufolgen? Wie könnte Christusnachfolge heute im Jahr 2019 aussehen?

Seit Jesu Himmelfahrt haben wir keinen Jesus, dem wir uns – wie die Jünger damals – buchstäblich an die Fersen heften können. Wir sind angewiesen auf sein Wort – und auf das Reden des Heiligen Geistes.

Heute soll es zunächst um die Grundlagen der Christusnachfolge gehen: Danach wandte sich Jesus an alle: "Wer mir folgen will, darf nicht mehr an sich selber denken, er muss sein Kreuz willig auf sich nehmen und mir nachfolgen. Wer sein Leben um jeden Preis erhalten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen." (Lukas 9,23)

Lukas berichtet im Vorfeld dieser doch recht radikalen Predigt von der sogenannten Speisung der 5000. Jesus, der Mann von Nazareth, als Garant für Wohlstand und Ernährung, als Garant für den ultimativen religiösen Kick, dieser Jesus war ganz nach dem Geschmack seiner Zeitgenossen.

Erstaunlicherweise nutzt Jesus die Euphorie seiner Anhänger nicht, um für sich selbst Werbung zu machen. Stattdessen spricht er von "Kreuz tragen", von Entbehrungen und von Selbstaufgabe. Jesus entpuppt sich als der große Spielverderber.

Was meint "Nachfolge Christi"?

  1. Nachfolge als Beziehung

    Nachfolge ist zuerst Beziehungssache. Sie ist begründet in der persönlichen Beziehung eines Menschen mit Jesus Christus. Nicht ein Verhalten, sondern ein Verhältnis macht uns zu Christen.

    Unsere primäre Berufung ist nicht, etwas für Jesus zu tun, sondern mit ihm zusammen zu sein. Mit ihm im Gespräch zu bleiben und auf seine Stimme zu hören, ist das A und O der Nachfolge.

  2. Nachfolge als Bewegung

    Glaube, wie ihn das Neue Testament versteht, ist kein Zustand, der ein für alle Mal festgeschrieben ist, sondern ein lebendiger Prozess. Christusnachfolge ist keine bloße Weltanschauung, sondern Bewegung.

    Nachfolge, Jüngersein heißt: sich bewegen, voranschreiten, unterwegs bleiben, niemals wirklich angekommen sein. Wir sollen nicht im Glauben stehen, sondern gehen.

    "Wer mir nachfolgen will", das bedeutet, in ein Leben einzusteigen, in dem Jesus voran geht. Jesus gibt die Richtung vor, ER bestimmt das Tempo, ER gibt an, wann gerastet und wann marschiert wird.

    Christusnachfolge ist damit in ihrem Kern "gewollte Abhängigkeit". Menschen lassen sich ein auf eine Lebensführung, bei der sie das Glück ihres Lebens in die Hände eines anderen, eines größeren legen.

    Was aber deutet das konkret? Ist damit alles, was Spaß macht gestrichen? Zeigt sich "echtes Christsein" an der Ernsthaftigkeit und am Verzicht?

    Interessanterweise war Jesus selbst kein Mensch, der sich durch einen besonders asketischen Lebensstil hervortat, sondern mit seinen Zeitgenossen die Freuden des Lebens genießen konnte. Das erste Wunder Jesu war die Verwandlung von Wasser in Wein und nicht umgekehrt.

    Worum geht es Jesus, wenn er vom Kreuztragen spricht?

    Jeder, der Jesus Christus wirklich nachfolgen will, wird hier und da erleben, dass es Wegführungen gibt, die nicht immer Laune machen. In der Lebensbewegung hinter Christus werden uns ab und an Führungen und Aufgaben zugemutet, die uns nicht gefallen.

    Und dann? Werden wir aus der Nachfolge Christi aussteigen, wenn sich unser Weg nicht mehr mit seinem Weg deckt? Oder bleiben wir in der Spur, auch wenn wir Einschränkungen im Blick auf unseren Wohlstand auf uns nehmen müssten?

  3. Nachfolge als Hingabe

    "Wer sein Leben um jeden Preis erhalten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen."

    Was Jesus hier beschreibt, ist ein geistliches Paradoxon, ein Geheimnis: "Du findest dein Glück, wenn du es hingibst". "Dein Leben wird reich, wenn du es her schenkst".

    Christusnachfolge funktioniert nur, wenn sich der Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens verschiebt. Der "Ichsüchtige" wird am Ende alles verlieren. Erst in der Hingabe an Gott und in der Hingabe an den Nächsten finden wir zur eigentlichen Bestimmung unseres Lebens.

    Geht es mir zuerst und vor allem darum, dass er mit meinem Leben zu seinem Ziel kommt? Worum dreht sich mein Denken?

"Jesus will keine Bewunderer, sondern Nachfolger." Lassen Sie sich herausfordern mit einigen – zugegeben sehr radikalen – Aussagen von Søren Kierkegaard:

  • Die Bewunderer rühmen die großen Taten Jesu in der Welt von gestern. – Die Nachfolger wissen, dass Jesus in der Welt von heute anwesend sein will.
  • Die Bewunderer gehen einer letzten Entscheidung für Jesus geschickt aus dem Wege. – Die Nachfolger verbinden ihr Schicksal vorbehaltlos mit dem Schicksal Jesu.
  • Die Bewunderer sind heute begeistert von Jesus und morgen von einem anderen. – Die Nachfolger können ihren Herrschaftswechsel nicht mehr rückgängig machen.
  • Bewunderer fragen: Was habe ich von Jesus? – Die Nachfolger fragen: Was hat Jesus von mir?
  • Die Bewunderer sonnen sich gerne und oft im Glanze Jesu. – Die Nachfolger wenden sich gerne willig dem Elend der Welt zu.

Nein – Jesus will keine Bewunderer; auf sie kann er verzichten – auf Nachfolger nicht.