predigt-2019-10-20

Predigt: Vergiss nicht, was ER dir Gutes getan hat

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Datum: 20.10.19
Bibelstelle: Psalm 103,1-5.21-22
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Im Psalm 103 beschreibt David viele Zusagen Gottes an uns Menschen:

  • Ein Gott, der uns unsere Fehler verzeiht, der uns, wenn wir am Ende sind, neu aufbaut
  • Ein Gott, der unseren inneren Menschen heilt, wenn er verwundet ist.
  • Ein Gott, der uns Gerechtigkeit verschafft, wenn uns Unrecht angetan wird.

Einem solchen Gott fliegen unsere Herzen tun – und das ist gut so. Wir dürfen, ja wir sollen Gottes Vergebung genießen.

Aber hinter den vielen Zusagen verbirgt sich auch eine doppelte Herausforderung:

  1. Auf meine Seele: Danke dem HERRN!

    Es gibt gewisse Lebensfunktionen, die geschehen ohne unser Zutun, ohne dass wir darüber lange reflektieren und eine Entscheidung treffen müssten. Andere Dinge dagegen funktionieren nur, wenn wir eine bewusste Entscheidung treffen.

    Dasselbe gilt auch für unser geistliches Leben. Ob wir uns im Laufe des Tages Zeit nehmen, mit Gott in Verbindung zu treten oder ob ein Tag nach dem anderen vergeht, ohne dass wir diese Verbindung gesucht haben, beeinflusst unser geistliches Wachstum.

    Auf, mein Herz, preise den Herrn! Alles in mir soll den heiligen Gott rühmen! (Psalm 103,1)

    David gibt seinem Herzen einen Ruck. Selbst ein geistlicher Leiter wie David, ein Mann, der gewaltige Sachen mit Gott erlebt hat, sprudelt nicht Tag und Nacht vor Dankbarkeit über.

    Derjenige, der dunkle Stunden durchleben muss, dem geht das Lob Gottes nicht so einfach über die Lippen. In Davids Leben gab es – wie bei uns auch – so etwas wie einen "grauen Alltag".

    Dank gegenüber unserem Schöpfergott ist nicht eine automatische Funktion unseres Lebens, sondern bedarf einer bewussten Entscheidung, eines ständigen "inneren Aufstandes".

    Um unsere Herzen geht es – und um IHN, den heiligen Gott. IHM allein gebührt die Ehre, unser Lob und unser Dank!

    Und so ganz nebenbei, sozusagen als Nebenprodukt geschieht etwas mit uns: "Das Gebet ändert nicht Gott, sondern den Betenden." (Søren Kierkegaard)

    Im Gebet verbinden wir uns mit dem Herzschlag Gottes. Und immer dann, wenn wir mit ihm im Gebet verbunden sind, strömen seine heilende Kräfte in unser Leben.

    Dabei brauchen wir mit dem Danken nicht warten, bis unsere Gefühlswelt auf Dankbarkeit gepolt ist, bis alles rund läuft und es vor Glück kaum auszuhalten ist – sondern umgekehrt. Wer anfängt zu danken, kann erleben, wie sich seine Gefühle und seine Wahrnehmung positiv verändern.

    Ein Zitat des französischen Philosophen Gabriel Marcel lautet: "Dankbarkeit ist die Wachsamkeit der Seele gegen die Kraft der Zerstörung."

    Also: Auf, mein Herz, danke dem Herrn! Alles in mir soll den heiligen Gott rühmen!

  2. Auf, meine Seele: Vergiss nicht!

    Zum zweiten Mal, wendet sich David an seine eigene Seele, an seinen eigenen inneren Menschen. Dabei fordert er sie auf, sich zu erinnern, nicht zu vergessen.

    Was hat bei dir im Blick auf unsere Gemeinde in den vergangenen Jahren und Monaten einen bleibenden Eindruck hinterlassen?

    Die meisten Eindrücke sind für andere und manchmal auch für uns selbst kaum sichtbar – und dennoch sind sie da.

    Oft sind es die negativen Eindrücke, die Verletzungen und Niederlagen, die sich tief in unsere Seele eingraben und nicht so leicht verblassen.

    Beachtenswerter Weise gibt der Psalmist seiner Seele den Auftrag, die "guten Eindrücke Gottes" zu behalten: "Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat."

    Im Lob Gottes, in der Dankbarkeit gerät unser Leben unter den Prägestock Gottes. David wendet sich bewusst einseitig dem Guten zu, er schubst seine Seele in die Gegenwart Gottes.

    Der Beter fordert sich selbst auf, die guten Eindrücke seines Lebens ganz bewusst mit Gott in Verbindung zu bringen.

    David erinnert sich daran, dass Gott ihn nicht fallen gelassen hat, als er völlig von der Rolle, zuerst zum Ehebrecher und dann zum Mörder wurde. Er erinnert sich an die vielen Gelegenheiten, in denen sein Leben am seidenen Faden hing und Gott ihn gehalten hat.