predigt-2019-10-13

Predigt: Konflikte und kirchliche Streitfälle (Krasse Zeiten. Starker Glaube – Teil 5)

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Datum: 13.10.19
Bibelstelle: Galater 2,1-10
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

In Galater 2 berichtet Paulus vom ersten großen Konflikt der frühen Kirche.

Paulus, Titus und Barnabas hatten viele Jahre missioniert, und in Kleinasien und darüber hinaus hatten zahlreiche Menschen von ihren Göttern abgesagt und den christlichen Glauben angenommen.

In den dort gegründeten christlichen Gemeinden spielten viele der alten jüdischen Speise- und Reinigungsordnungen keine Rolle mehr.

Als Petrus eine solche junge Gemeinde besucht, nahm er auch an gemeinsamen Mahlzeiten teil. Die dabei aufgetischten Speisen waren ein Traum für die Christen mit heidnischen Wurzeln – und ein Albtraum für Christen mit jüdischer Tradition.

Es kommt im wahrsten Sinne des Wortes zur Auseinandersetzung: Christen mit jüdischen Wurzeln und Christen mit heidnischer Vergangenheit essen zur gleichen Zeit – aber nicht mehr gemeinsam.

Petrus, die Leitfigur der alten, aus dem Judentum erwachsenen Christengemeinde und Paulus, der Völkermissionar, geraten sich in die Wolle.

Petrus hat von Kindesbeinen an immer wieder gelehrt bekommen und verinnerlicht, dass Juden keine Tischgemeinschaft haben mit den Heiden. Die Verwurzelung des Petrus in der jüdischen Tradition bestimmt sein Handeln stärker als die göttliche Lektion, von der Lukas in Apostelgeschichte 10 schreibt.

Jetzt kommt es zur öffentlichen Auseinandersetzung. Die Zukunft der Weltmission steht auf dem Spiel. Gibt es ein Evangelium für die Völkerwelt?

Was können wir aus diesem großen ersten Konflikt der frühen Kirche lernen? Wie können wir mit Konflikten umgehen?

  • Wir akzeptieren Konflikte.

    Konflikte sind Ausdruck der göttlichen Vielfalt. Unterschiedliche Sichtweisen liegen in der Freiheit und Einzigartigkeit begründet, die Gott seinen Kindern schenkt.

    Im Konflikt setzen wir uns mit unterschiedlichen Positionen auseinander. Wir lernen uns selbst und den anderen besser kennen.

  • Wir achten darauf, dass Rechthaberei und Machtrangeleien keinen Raum bekommen.

    Hinter nicht wenigen Konflikten stecken verborgene Machtrangeleien in Gemeinden. Die wesentliche Eigenschaft der Beteiligten, um Konflikte segensreich zu lösen, ist die Demut:

    Lebt so, dass Gott dadurch geehrt wird; er hat euch ja berufen, seine Kinder zu sein. Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein! (Epheser 4,1-2)

  • Wir versuchen, Antworten aus dem Zusammenhang der ganzen Heiligen Schrift zu finden.

    Gemeinden sind und bleiben Auslegungsgemeinschaften, die miteinander auf der Grundlage der biblischen Schriften um ethische Orientierung und Entscheidung zu ringen haben. Dabei werden wir bei allem Forschen in der Schrift immer Lernende bleiben.

  • Wir achten darauf, dass in allen Entscheidungen die sich den Menschen zuwendende Liebe Gottes zum Tragen kommt.

    Alle besten theologischen Einsichten sind bedeutungslos, wenn sie nicht von Gottes Liebe durchdrungen sind:

    Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. (1. Korinther 13,1-2)

  • Wir halten unterschiedliche Positionen aus und aneinander fest.

    "Ertragt einer den andern in Liebe." Diese Aufforderung des Paulus an die Christen in Ephesus widerspricht unserem Lebensgefühl. Die Bereitschaft einander zu ertragen, scheint abzunehmen.

    Wir sind herausgefordert, aufeinander zuzugehen, aufeinander zu hören, voneinander zu lernen und einander mit der Liebe zu begegnen, mit der Gott uns liebt.