predigt-2019-06-02

Predigt: Angst – Wie werde ich damit fertig?

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Datum: 02.06.19
Bibelstelle: 1. Mose 3; Römer 15,1-2; Lukas 15
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Für Angsthasen ist kein Platz auf dem Siegertreppchen. Über seine Ängste redet man nicht gerne. Und so bleiben viele Menschen mit ihren Ängsten allein.

Welche Hilfen gibt es, mit Angst umzugehen?

  • Angst – jeder kennt sie!

    Angst nimmt uns die Luft zum Atmen. Sie schnürt uns die Luft ab. Der Boden unter mir wankt.

    Grundsätzlich ist Angst aber nicht nur eine lähmende, sondern auch eine mobilisierende Emotion.

    Wir können Angst haben, und dieser Angst verdanken wir das Leben. Aber es kann auch anders herum sein: Angst kann Menschen haben: Menschen können so sehr von ihrer Angst besetzt sein, dass sie kaum noch in der Lage sind, vernünftig zu handeln.

  • Ängste können gesteuert werden.

    Weil Angst eine Emotion ist, lässt sie sich relativ leicht beeinflussen. Angst hat ein hohes Ansteckungspotential:

    • Wer überwiegend mit ängstlichen Menschen zusammen ist, wird ängstlicher reagieren als jemand, der sich mit hoffnungsvollen, zuversichtlichen Menschen umgibt.
    • Wer ausschließlich negative Nachrichten zu hören bekommt, wird seiner Umwelt eher ängstlich und feindlich gegenüberstehen als andere, die positive Nachrichten empfangen.

    Die relativ leichte Beeinflussbarkeit im Blick auf Befürchtungen und Ängste, sind im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder bewusst eingesetzt worden, um Menschen zu manipulieren und für die eigenen Interessen zu gewinnen.

    Ausgerechnet die Kirche Jesu Christi, im Besitz einer alles überragenden Frohbotschaft – nichts anderes bedeutet das Wort "Evangelium" – hat sich über Jahrhunderte hinweg bemüht, an die Ängste der Menschen anzuknüpfen und sie damit in die Kirche zu treiben.

    Erst die Reformation brachte an dieser Stelle die entscheidende Wende. Der neue Blick auf einen "gnädigen Gott", der nicht hartherzig und auf Rache sinnend mit den Menschen verfährt, sondern ihnen mit Liebe, Geduld und Vergebung begegnet, brachte das Lehrgebäude der mittelalterlichen Kirche, dass auf Angst vor Höllenstrafen und Fegefeuer gebaut war, mächtig ins Wanken.

    Angst ist eine Emotion, und um sie zu besiegen, braucht es die Korrektur durch den Verstand, durch unsere Gedanken.

    Wer ausschließlich negative Nachrichten zu hören bekommt, wird seiner Umwelt eher ängstlich und feindlich gegenüberstehen als andere, die positive Nachrichten empfangen.

  • Die Geburtsstunde der Angst

    Der Ursprung der Angst reicht zurück an den Beginn der Menschheitsgeschichte. Der Mensch, der von Beginn an in unmittelbarer Gemeinschaft mit seinem Schöpfer lebte, kannte keine Furcht. Er war im positiven Sinne "scham-los".

    Alles Unglück beginnt damit, dass die ersten Menschen sich auf die Einflüsterungen der Schlange, die hier für das personifizierte Böse steht, einlassen (1. Mose 3). Sie strecken ihre Hand aus nach Göttlichkeit – und fallen tief. Das Ergebnis ihres Egotrips ist niederschmetternd. Statt Gottgleichheit ernten sie Angst und Scham.

    Der Schutzdamm ist gebrochen. Die Sünde mit all ihren Facetten strömt über die Schöpfung und hinterlässt Spuren der Vernichtung und Zerstörung. Seither sind Angst und Schrecken feste Größen in dieser Welt.

  • Hilfen gegen die Angst

    Zunächst ein Wort vorweg: Sich ständig wiederholende Panikattacken, zerstörende Ängste und Depressionen brauchen ärztliche Hilfe.

    Ich möchte drei Hilfen zur Überwindung von Angst aufzeigen, die mir persönlich geholfen haben:

    1. Begegne deiner Angst mit positivem Denken.

      Ängste sind Emotionen, und Emotionen können wir mit unseren Gedanken beeinflussen.

      Wenn ich bei mir feststelle, dass Angstgefühle aufkommen, dann frage ich: Was ist das Schlimmste, was möglicherweise geschehen kann?

      Viele Ängste, mit denen wir uns herumschlagen – haben vernünftig betrachtet – keine dramatischen Auswirkungen auf unser weiteres Leben.

      Andere Ereignisse haben tatsächlich gravierende Auswirkungen auf mein weiteres Leben, aber gerade deshalb brauchen wir einen freien Kopf, um Lösungsmöglichkeiten zu finden.

    2. Bleibe mit deiner Angst nicht allein.

      Angst kann den Blick fesseln. Der Verängstigte starrt gebannt auf die Gefahr.

      In diesem Fall braucht es jemanden, der ihm liebevoll "den Kopf verdreht". Da braucht es jemanden, der Alternativen und Chancen aufzeigt. Da braucht es jemanden der Dinge wieder zurechtrückt, die ich in meiner Angst verschoben habe.

      Es braucht jemanden, der sich mit unter eine Last stellt und sie mitträgt. Diesen Dienst sind wir uns als Christen gegenseitig schuldig. Hier können Seelsorge und christliche Beratung eine enorme Hilfe sein: Wenn wir einen starken Glauben haben, dürfen wir uns nicht nach uns selbst richten, sondern müssen die Zweifel und Ängste Schwächerer ernst nehmen. Wir sollen uns so verhalten, dass es dem andern hilft und er dadurch im Glauben ermutigt wird. (Römer 15,1-2)

    3. Wage den Sprung in Gottes Arme.

      Angst war die Folge des Misstrauens des Menschen gegenüber seinem Schöpfer. Die ganze heilige Schrift, insbesondere das Neue Testament zeichnet einen Gott, der alles daran gesetzt hat – seinen Menschen Umkehr in eine neue von Vertrauen geprägte Verbindung, zu ermöglichen.

      Der lebendige Gott wartet darauf, dass wir ihm das Vertrauen, dass wir ihm "Glauben" schenken.

      Im Gleichnis vom "verlorenen Sohn" (Lukas 15) wartet der Vater auf seinen Sohn. Als er ihn sieht, läuft er ihm entgegen. Vater und Sohn laufen aufeinander zu. Alle Angst des Sohnes ist verflogen. Am Ende liegen sich Vater und Sohn in den Armen.

      Der mächtige, heilige Gott begegnet denen, die ihn suchen, nicht mit Vorhaltungen. Eine der häufigsten Zusagen Gottes an die Menschen lautet: "Fürchte dich nicht!" Hab keine Angst – ich bin auf deiner Seite – ich bin für dich da!

      Vielleicht ist heute Morgen der Moment, in dem der eine oder andere die Gelegenheit nutzt, mit seinen Ängsten in die Arme seines Vaters im Himmel zu flüchten.

      • Himmlischer Vater, ich glaube, dass du mich liebst.
      • Du hast deinen Sohn Jesus gesandt, und mir durch seinen Kreuzestod Umkehr ermöglicht.
      • Mit allen meinen Ängsten, Befürchtungen und Zweifeln werfe ich mich in deine väterlichen Arme.
      • In der Gemeinschaft mit dir möchte ich mein weiteres Leben führen. Aus Dankbarkeit möchte ich dir dienen.
      • Zeige mir, wie ich mein Glaubensleben gestalten kannst, sodass es wächst und du dich darüber freuen kannst.
      • Nimm mich wie ich bin und mache mich so, wie du mich haben willst. Amen.

Zum Schluss möchte ich all denen, die schon heute als Söhne und Töchter Gottes leben und dennoch immer wieder von Ängsten geplagt werden, einige Verheißungen zusprechen:

  • Was kosten fünf Spatzen? Vielleicht ein paar Cent? Und doch vergisst Gott nicht einen Einzigen von ihnen. Und auch die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Habt deshalb keine Angst, denn ihr seid ihm wertvoller als ein ganzer Schwarm Spatzen. (Lukas 12,6-7)
  • Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? (Psalm 27,1)
  • Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Psalm 91,11)
  • Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. (Psalm 23,4)