predigt-2019-05-19

Predigt: Nachfolge in der Krise

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Datum: 19.05.19
Bibelstelle: 1. Samuel 24,4-17
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Eine Krise ist zunächst einmal nichts Schlimmes. "Krise" kommt vom griechischen "Krisis" und meint nichts anderes als Entscheidung. Eine Wendemarke ist erreicht, jetzt wird es spannend. Es kann gut gehen – oder schlecht.

  1. Wenn Druck sich aufbaut

    Und Saul zückte den Spieß und dachte: Ich will David an die Wand spießen. David aber wich ihm zweimal aus. (1. Samuel 18,10-11)

    Als zivilisierte Menschen bekriegen wir uns heute nicht mit Spießen. Unsere Methoden, Mitkonkurrenten aus dem Weg zu schaffen, sind deutlicher feiner, aber nicht weniger effektiv.

    Saul will klare Verhältnisse. Niemand soll ihm den Rang ablaufen. Zuletzt bestimmen Neid, Eifersucht und Hass sein Leben. In seinem Hass wird er zu einem Getriebenen. Sein Konkurrent muss von der Bildfläche verschwinden.

    Und David? David gerät zunehmend unter Druck. Zuerst sind es Speerspitzen, denen er im letzten Moment ausweichen kann, dann ist es die Verfolgung, die ihn zu einem heimatlosen Flüchtling macht. Weil er sich keiner eigenen Schuld bewusst ist, fühlt David sich ungerecht behandelt.

    Wie reagiert David? Er versucht, "Dampf abzulassen", indem er Gott sein Leid klagt, z. B. in Psalm 13,2-3: Herr, wie lange wirst du mich noch vergessen, wie lange hältst du dich vor mir verborgen? Wie lange noch sollen Sorgen mich quälen, wie lange soll der Kummer Tag für Tag an mir nagen? Wie lange noch wird mein Feind über mir stehen?

    Wenn der Druck sich aufbaut, wenn Situationen oder Menschen uns unerträglich werden, wenn eine Krise sich zuspitzt, dann dürfen wir unserem Ärger auch vor Gott Luft machen. Niemand muss "Halleluja" singen, wenn er innerlich vor Wut kocht oder vor Ärger mit den Zähnen knirscht.

  2. Sanftmut – die geistliche Alternative

    Alles spricht für einen Höhlenmord – aber bei David schlägt das Gewissen, klingelt die innere Alarmanlage.

    David merkt: Hier geht es nicht um Politik, sondern um das Reich Gottes. Und im Reich Gottes gelten andere Regeln. Zum Beispiel die Seligpreisungen aus der Bergpredigt: Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. (Matthäus 5,5)

    Eines der Hauptmerkmale des Bergpredigers ist seine Sanftmut: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. (Matthäus 11,29)

    Das heißt doch: Im Reich Gottes bringen es nicht diejenigen zu Ruhm und Ansehen, die die stärksten Ellenbogen haben, sondern die, die den Mut haben, sanft zu sein.

    Gott baut sein Reich nicht mit den Schlagfertigen, sondern mit den Sanftmütigen, mit denen, die unter Druck standhalten.

  3. Nachfolge – die große Herausforderung

    Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen. (1. Petrus 2,21)

    Eine große Gefährdung für Nachfolger von Jesus ist ein Unglaube, der meint, Gott auf die Sprünge helfen zu müssen. "Nachfolge" meint eben "nach folgen" und nicht "überholen".

    Wohl eine der schwierigsten Lektionen in Reichgottesangelegenheiten heißt: Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein. (2. Mose 14,16)

    Im Glauben verzichtet David auf die schnelle, eigenmächtige Lösung und setzt damit auch für seine Anhänger ein Zeichen. Die Anhänger Davids erleben, wie Konflikte im Reich Gottes gelöst werden können:

    • David respektiert seinen Feind als Objekt der Liebe Gottes: Als er wieder zu seinen Männern kam, sagte er: "Der Herr bewahre mich davor, meinem König etwas anzutun, denn er ist vom Herrn ernannt worden! (1. Samuel 24,7)

      Auch der, der mir hier die Hölle auf Erden bereitet, ist für den Himmel geschaffen. – Wer ist Ihr Saul?

    • Gott gehört im Streitfall dazwischen: Der Herr soll unser Richter sein. Er soll entscheiden, wer von uns im Unrecht ist. Möge er mein Fürsprecher sein und mir zu meinem Recht verhelfen. (1. Samuel 24,16)

      David verzichtet auf sein vermeintliches Recht, um die Rechtsprechung Gottes abzuwarten. Das Ergebnis dieser geistlichen Haltung ist ein überführter Saul.

      Weil David geistlich reagiert, hat Saul die Chance zur Umkehr. Und er selbst bleibt unbelastet.