predigt_2018-04-01

Predigt: Jesus lebt! Kein (schlechter) Scherz zum 1. April!

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Datum: 01.04.18
Bibelstelle: Markus 16,1-8
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Für uns ist Ostern nichts Neues. Während die meisten von uns die Auferstehungsbotschaft schon so oft gehört und gelesen haben, war das erste Ostern für die Jünger der Hammer, das Großereignis schlechthin. Ostern wirft die Jünger völlig aus der Bahn.

Sicher sind wir in einer anderen Situation als die damaligen Osterzeugen, und trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Auferstehungsbotschaft uns nicht gewöhnlich und fade wird, sondern uns neu packt und begeistert.

Die Marburger Medien haben in diesem Jahr eine Osterkarte mit der provokanten Aufschrift entworfen: "Weihnachten ist gegenüber Ostern nur ein Kindergeburtstag." Darüber lohnt es sich kurz nachzudenken.

Die eigentliche Revolution des christlichen Glaubens besteht nicht zuerst darin, dass ein göttliches Kind in einem Stall geboren wurde, sondern darin, dass am Ostermorgen die Herrschaft des Todes beendet wird.

Jesus lebt! Kein (schlechter) Scherz zum 1. April!

Kirchenjahrmäßig beschreiben die acht Verse aus Markus 16 die Zeit von Totensonntag bis zum Ostermorgen:

  1. Vom Totensonntag

    Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? (Markus 16,1-3)

    Wie war das noch am Totensonntag? Am Totensonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, gedenken die Lebenden ihrer verstorbenen Angehörigen. Der Evangelist Markus beschreibt drei Jüngerinnen auf dem Weg zu ihrem ganz persönlichen Totensonntag. Noch unter der Schockwirkung der Kreuzigung besuchen sie die Grabstätte Jesu.

    Diese drei Frauen – sie waren die letzten am Karfreitag unter dem Kreuz gewesen, jetzt sind sie schon wieder die ersten. Bedenkenswert an dieser Sache ist, dass der Auferstandene ihnen den Weg ans Grab nicht erspart. Er kommt ihnen auch nicht auf halber Strecke entgegen.

    Die Auferstehung Jesu und das Aufstehen der Frauen gehören offensichtlich zusammen. Erst auf dem Friedhof, erst dort, wo alle Zeichen auf die Endlichkeit des Lebens hindeuten, erschließt sich die Osterbotschaft in seiner ganzen Tragweite.

    Die Fragen, die die Frauen beschäftigen, stehen zunächst ganz im Zusammenhang des Totensonntages: "Wer wird uns den Stein von der Türe der Gruft wegwälzen?" In dieser Fragestellung verbirgt sich ihre ganze Hilflosigkeit. Dem schweren kalten Stein, dem Symbol der Trennung zwischen hellem Tageslicht und Finsternis, zwischen Leben und Tod, stehen sie ohnmächtig gegenüber.

    Alles Denken, Planen und Organisieren der Frauen steht ganz unter dem Zeichen des Totensonntages. Mit hängenden Köpfen betreten sie den Friedhof und stehen vor der Grabstätte. Die Hoffnungslosigkeit steht in ihren Gesichtern geschrieben.

    Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. (Markus 16,4)

    Alle Sorgen waren umsonst gewesen: Die Blockade ist verschwunden! Der Stein, der sie so beschäftige, ist weg! Der große Stein, der so unverrückbar die Gesetzmäßigkeit des Todes festhalten will, ist zur Seite gerollt.

    Das offene Grab aber weckt keinen Osterjubel. Verwundert und überrascht betreten die Frauen die Grabhöhle: "Wer wird uns im Grab erwarten? Wer ist uns zuvorgekommen?" Langsam steigen sie die Stufen in die Grabkammer hinab. Und siehe da: Aus dem finsteren Grab scheint ihnen ein helles Licht entgegen! Ein göttlicher Bote verkündigt das Ende des Totensonntags:

    Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. (Markus 16,6)

  2. Zum Ostermorgen

    Während zwischen unserem Totensonntag und dem Ostersonntag gut drei Monate liegen, findet der Wechsel hier in wenigen kurzen Momenten statt. Die Jünger feiern noch Totensonntag. Aber derjenige, dem ihre Trauer gilt, ist längst auferstanden. Die Frauen sind zum Grab gekommen um einem Toten die letzte Ehre zu erweisen, aber sie sind spät dran – viel zu spät.

    Der Tote lebt!

    Ohne den himmlischen Botschafter wäre vieles unklar geblieben. Das leere Grab allein lässt manche Interpretationen zu. Aber die Botschaft des Engels ist eindeutig: "… er ist nicht hier."

    Ostern ist der große Umzugstag Jesu. Gott erweckt seinen Christus aus den Toten ins Leben.

    Wer Jesus auf dem Friedhof finden will, hat sich in der Adresse geirrt. Wer mit Karfreitag einen Schlussstrich unter die Jesusangelegenheit zieht, wer die Auferstehung ausklammert, irrt gewaltig.

    Wer die Großen der Weltgeschichte verehren will, der kann auf den Friedhof gehen. Berühmte Politiker, Künstler, Forscher und Erfinder können wir an ihren Grabstätten ehren.

    Wer Jesus finden will, der muss ihn seit Ostern als den Auferstandenen, den Lebenden suchen. Der himmlische Bote erklärt den Frauen, wo sie dem auferstandenen Christus begegnen können: Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. (Markus 16,7)

    Mit einem Mal kommt Leben in die Frauen: Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich. (Markus 16,8)

    Fassungslos jagen die Frauen davon. Ein Jenseitsschrecken hatte sie ergriffen. Die Frauen haben gespürt, geahnt, erfasst, dass hier etwas erschreckend Neues in ihr Leben gefahren ist.

    Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Seine Hinrichtung war nicht das grausame Ende, nicht das Scheitern seiner Mission. Er ist auferweckt. Und diejenigen, die zu ihm gehören, werden mit ihm auferweckt werden.

    Ostern ist der Anfang vom Ende, vom Ende des Todes. Der Totensonntag hat seine grausige Macht verloren. Ostern ist geworden – der Auferstandene hat die Macht die Gitterstäbe aus dem Gefängnis des Todes durchbrochen.

In Christus sind die Gitterstäbe des Totenreiches auseinandergebogen. Der Weg in das Leben ist gebahnt. Dort, wo Christus aus dem Tod ins Leben getreten ist, ist auch der Durchschlupf für die, die zu ihm gehören. Hinter ihm, an ihm, in seiner Spur verwandelt sich für die Seinen der Totensonntag zum Ostermorgen.

Das ist kein Scherz zum 1. April, sondern die eindeutige Botschaft des Evangeliums und die feste Gewissheit derer, die Jesus Christus kennen und ihm nachfolgen.