predigt_2018-03-18

Predigt: Endlich erlöst!

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Datum: 18.03.18
Bibelstelle: Markus 10,35-45
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Ob der Begriff der Erlösung von den meisten unserer Zeitgenossen mit dem christlichen Glauben in Verbindung gebracht wird, scheint fraglich.

Bei Erlösung denkt der Schüler vermutlich zunächst an den Gong, der den Schultag beendet. Eltern fühlen sich erlöst, wenn die Schule nach den großen Ferien beginnt und ihre Sprösslinge endlich wieder für einige Stunden aus dem Haus sind.

Der christlich sozialisierte Zeitgenosse erinnert sich vielleicht noch an den Abschnitt des Vaterunsers: "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen". Ansonsten fällt ihm wenig zu diesem Thema ein.

Und auch der praktizierende Christ, derjenige der fest im christlichen Glauben verankert ist, hat nicht selten mit dem Begriff "Erlösung" so seine Schwierigkeiten. Mit dem Thema "Erlösung", stößt er bei seinen Zeitgenossen im Regelfall auf Unverständnis.

Dabei sind die Erlösten in dem, wie sie ihre Erlösung nach außen tragen, nicht in jedem Fall überzeugend.

  • Der doppelte Irrtum

    Der Evangelist lenkt unseren Blick auf zwei junge Männer, die hohe geistliche Ziele haben, Jakobus und Johannes. Die beiden haben einen Wunsch, eine Sehnsucht, ein Ziel: Sie wollen ihr Christsein nicht länger als fromme Mitläufer leben.

    Sie wollen aus der Anhängerschaft Jesu herausragen, etwas Besonderes leisten und Verantwortung übernehmen. Sie wollen ihren Herrn mit Rat und Tat unterstützen und sich, so ganz nebenbei, in dessen Ruhm sonnen.

    Es ist bemerkenswert, wie Jesus unaufgeregt reagiert. Während bei den übrigen 10 Jüngern Ärger aufkommt, beantwortet Jesus die Anfrage der beiden in hohem Maße sachlich. Er weist sie auf einen doppelten Irrtum hin:

    1. … darüber zu verfügen, wer an meiner rechten und an meiner linken Seite sitzen wird, das steht nicht mir zu. Wer dort sitzen wird, das ist von Gott bestimmt. (Markus 10,40)

    2. Wenn es um die Verteilung herausragender Ämter in Gottes ewigem Reich geht, dann obliegt die Ämterverteilung ganz allein und ausschließlich Gott selbst.

    3. Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. (Markus 10,45)

      Jesus weist seine Jünger darauf hin, dass es das Reich Gottes nicht davon lebt, dass ihm die Menschen dienen, sondern davon, dass er ihnen dient.

  • Der klare Auftrag

    … sondern um zu dienen und gebe sein Leben. (Markus 10,45)

    "Ich bin gekommen, um mein Leben zu geben." Wer mit der christlichen Tradition aufgewachsen ist, kann sich kaum vorstellen, wie schockierend diese Aussage für einen Uneingeweihten klingen muss.

    Nun, das Problem liegt nicht etwa darin, dass Jesus mit seinem gewaltsamen Tod rechnen musste. Immer wieder gab es im Laufe der Geschichte Menschen, die für ihre Überzeugungen sterben mussten. Das ist nicht ungewöhnlich.

    Alle diese Menschen aber waren nicht "gekommen", um zu sterben, sondern um zu handeln, zu gestalten, zu verändern.

    Ein früher gewaltsamer Tod hinderte sie daran, ihre Ziele bis zum Ende zu verfolgen. Jesus dagegen sammelt große Menschenmassen um sich, heilt, bereit, lehrt und behauptet: Das Eigentliche, meine Uraufgabe, meine Sendung besteht darin zu sterben.

    Jesu Tod ist sozusagen das Vorzeichen vor seinem Leben. Wer die Bedeutung Jesu verstehen will, kann sich am Kreuz nicht vorbeidrücken.

    Selbstverständlich war Jesus ein genialer Lehrer, der mit seiner Weisheit schon in jungen Jahren die Menschen in Erstaunen versetzen konnte. Er war sicher auch ein Religionskritiker, der die oberflächliche lieblose Frömmigkeit einer jüdischen Oberschicht offen ansprach. Er war ein moralisches Vorbild und ein Arzt – aber all das beschreibt seine eigentliche Bedeutung nicht wirklich.

    "Ich bin gekommen, um zu sterben." – Das ist die eigentliche Bestimmung seines Lebens. Alles, was ihn von diesem Kreuzesweg abbringen sollte, entlarvt und kennzeichnet Jesus sehr energisch als "satanische Verführung" (Markus 8,32-33).

  • Die weitreichende Erlösung

    … und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben. (Markus 10,45)

    In der Antike war es üblich, Lösegeld für Gefangene zu erpressen. Auch heute berichten die Nachrichten immer wieder einmal von Piraten, die vor der Küste Somalias Tanker kapern und hohe Lösegeldforderungen an die Reedereien richten.

    Hier geht es aber nicht um Geldangelegenheiten, sondern um die Frage nach unserer Zugehörigkeit:

    • Wem gehören wir?
    • Zu wem gehören wir?
    • Wer hat das Besitzrecht über unserem Leben?

    Die Frommen begegnen der Einladung zur "Erlösung", zur Freiheit mit völligem Unverständnis. Es ist doch alles in Ordnung! Wir sind fromm, wir fühlen uns gut, wir bestimmen unser Leben nach unseren Vorstellungen, wir lassen uns von niemandem reinreden: "Jesus, vielen Dank für dein Bemühen, aber dein Wort von der Erlösung gilt uns nicht – warum auch?" Wer nicht gefangen wurde, muss auch nicht erlöst werden.

    Die Antwort, die Jesus gibt, desillusioniert: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. (Markus 10,34b)

    Sünde, so Jesus, schafft Verbindlichkeiten. Merkt ihr nicht, wie ihr Marionetten der Sünde geworden seid? Habt ihr kein Gespür dafür, dass in eurem Leben jemand die Fäden zieht, der euer Verderben will?

    Zur Zeit des Neuen Testamentes brachte man den Begriff "Freiheit" und "Erlösung" in Zusammenhang mit dem Sklavenhandel.
    Das Verb "erlösen" (lyo) bedeutet soviel wie: Jemandem die Fessel abnehmen. Die Ketten lösen.

    Das ist im übertragenen Sinne das, was uns in den Briefen der Apostel ausgelegt wird:

    • Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. (1. Petrus 1,18-19)

    • Ihr seid teuer erkauft (wörtlich: bar gezahlt), darum preist Gott mit eurem Leibe. (1. Korinther 6,20)

    Das Kreuz ist keine Ratenzahlung. Durch das Sterben Jesu am Kreuz wird die Eigentumsfrage sofort und deutlich geklärt. Das Lösegeld ist bezahlt – ein für alle Mal.

    Das Kreuz ist der Preis, ist das Lösegeld, das für eine an die Gottlosigkeit gebundene Welt bezahlt wurde. Karfreitag ist der Tag, an dem unsere Schuld beglichen wurde.

    Nur einer, Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, war in der Lage, diesen Preis zu zahlen. Der Weg dazu führte über die "Via Dolorosa", über den Weg des Leidens, des Dienstes und der Selbstverleugnung.

    Weil Jesus nicht politische Macht an sich gerissen hat, weil er allen Versuchungen zur irdischen Machtübernahme widerstanden hat, können wir dieses Lösegeld für uns ganz persönlich beanspruchen und geltend machen.

    Wir dürfen seine Erlösung annehmen – und fortan als Erlöste unser Leben leben.