predigt_2018-03-04

Predigt: Gottesdienst im Blick (3) – Das Lied der Erlösten

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Datum: 04.03.18
Bibelstelle: Epheser 5,19-20
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

"Ermutigt einander mit Psalmen, Lobgesängen und von Gottes Geist eingegebenen Liedern; singt und jubelt aus tiefstem Herzen zur Ehre des Herrn und dankt Gott, dem Vater, immer und für alles im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn." (Epheser 5,19-20)

So fordert der Gemeindegründer Paulus die Christengemeinde in Ephesus auf. Die Gemeinde Jesu ist aufgefordert, auf Gottes Heilshandeln zu reagieren. Gottes heilsame Zuwendung zu uns Menschen ist ausschließlich unverdientes Geschenk. Ihm allein gebühren der Dank und die Ehre.

In modernen Gottesdiensten hat sich der Begriff "Lobpreis" für den musikalischen Teil des Gottesdienstes etabliert.

Allerdings waren das Lied der Kirche und der damit verbundene Musikstil von Beginn an auch Gegenstand leidenschaftlicher Auseinandersetzungen. Schon in den ersten Jahrhunderten wurde darüber gestritten, ob neben Psalmen und anderen biblischen Texten auch neue selbstkomponierte Lieder im Gottesdienst gesungen werden dürfen. Dem Einsatz der Kirchenorgel ging ein langer Streit voraus. Und noch vor 30-40 Jahren führte der Einsatz von Schlagzeug und E-Gitarre zu erheblichen Irritationen.

Und wir ahnen: Wenn es um den Gesang der Erlösten geht, dann ist dieser immer auch eingebunden in eine sich ständig wandelnde Kultur, in Sprache und Musikstil.

  • Der Lied der Erlösten – im Wandel der Zeiten:

    Schon von Beginn an, ist die Kirche Jesu Christi eine singende Kirche. Ihr Gesang wurzelt im Liedgut der alttestamentlichen Gemeinde. Die Psalmen und Lieder Israels wurden ganz selbstverständlich in die Versammlungen der Jesusanhänger übernommen und ergänzt.

    Die Ursprache der europäischen Kirchenmusik ist der einstimmige gregorianische Chorgesang. Erst die Reformation leitet ein neues Kapitel des gottesdienstlichen Gesangs ein. Etliche Choräle entstammen dabei aus der Feder des Reformators selbst. Den Text dichtet er selbst, bei den Melodien bedient er sich bei dem, was in den Gassen und Wirtshäusern gesungen wurde.

    In den Staaten entsteht der "african-american Spiritual“, der Gospelgesang der afrikanischen Sklaven: "Oh happy day", "O when the saints go marching in" …

    In Europa wechseln sich Zeiten geistlicher Erstarrung mit Zeiten geistlichen Erweckungen ab. Die Zeit des Pietismus, der Methodisten und Baptisten ist angebrochen. All diese unterschiedlichen, aber äußerst missionarischen und auf Heiligung bedachten Bewegungen, entwickeln ihre eigenen Lieder. Die sogenannten "Erweckungs-oder Evangeliumslieder" entstehen: "Welch ein Freund ist unser Jesus", "Stern auf den ich schaue" …

    In den 60ziger Jahren beginnt sich eine eigene christliche Jugendkultur auszubreiten, angestoßen von der amerikanischen "Jesuspeople-Bewegung". Die Rockmusik ist in der Kirche angekommen. Die moderne Musik hat in der Kirche Einzug gehalten – und viele der lieben "alten Geschwister" verstehen die Welt nicht mehr.

    Seit etwa zwanzig Jahren ist das neue, moderne Liedgut dieser Jugendbewegung durch die "Lobpreisbewegung" ergänzt und teilweise abgelöst worden.

    Was lernen wir aus diesem kirchengesangsmäßigen Schnelldurchlauf?

    Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. (Matthäus 12,34)

    Immer dann, wenn Bewegung in die Kirche kam – in Zeiten geistlicher Aufbrüche und Erweckungen – findet das im Liedgut der Gemeinde Ausdruck. Das geistliche Erleben muss sich ausdrücken. Wer von Gottes Geist erfüllt ist, kann und will nicht schweigen.

    Unsere Lieder sind immer Reflexionen, Spiegelbilder geistlichen Erlebens, aber auch eines ganz bestimmten kulturellen Rahmens. Hier lautet das Motto: Im Inhalt eindeutig – in der Form beweglich!

  • Das Lied der Erlösten – die dreifache Bedeutung:

    1. Antwort auf Gottes Reden und Handeln an uns

      Wir als christliche Gemeinden verdanken unsere Existenz allein dem Rettungshandeln Gottes durch seinen Sohn Jesus Christus: In keinem anderen Namen ist die Rettung, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen gerettet werden. (Apostelgeschichte 4,12)

      Das Lied der Gemeinde ist deshalb immer das Lied der Erlösten. Sie singt, weil sie erlöst durch das stellvertretende Sterben Jesu Christi am Kreuz ist. In dreifacher Weise ließe sich dieser Ausdruck der Freude im Blick auf den Gemeindegesang unterteilen:

      • Danklied – Dank für Gottes Gaben: "Danke für diesen guten Morgen."
      • Loblied (Preis) – Lob des Gebers über seinen Gaben: "Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte, dann jauchzt mein Herz dir großer Herrscher zu, wie groß bist du."
      • Anbetungslied – Es geht nur um Gott: "Großer herrlicher Gott, wir kommen jetzt zu dir."
    2. Botschaft und Verkündigung

      Paulus versteht den Gemeindegesang als geistliche Therapie (Epheser 5,19). Unter der gesungenen Botschaft gesundet der innere Mensch. Psalmen, Lobgesänge, geistliche Lieder drängen die zerstörerischen Einflüsse in unserem Leben zurück.

      Im Gemeindelied stellt die Gemeinde dann aber auch ihren Mitmenschen Gott vor. Alle Menschen sollen wissen, wer und wie Gott ist. Weil das Lied in der Gemeinde gesungene Verkündigung ist, sollte es sich inhaltlich an der Schrift messen lassen und für den erstmaligen oder uneingeweihten Gottesdienstbesucher eindeutige und verständliche Botschaften enthalten.

    3. Das Lied als Bitt – und Klagelied

      Das Lied der Erlösten ist gleichzeitig immer auch das Lied derer, die unterwegs sind. Auf diesem Weg erleben sie Entbehrungen und Leid. Sie erfahren Ablehnung und geraten in Anfechtungen.

      In den Psalmen stehen wesentlich mehr Klage- als Loblieder. Unser Leben enthält nicht nur Gründe zum Jubeln, sondern genauso viele zum Klagen. Das Lied der Gemeinde, das ihre ganze Lebenswirklichkeit abbildet, braucht Raum für beides: Raum zum Jubel und Raum zum Klagen.

      Wir brauchen Lobpreis. Aber wenn Lobpreis echt sein soll, braucht er mehr als Bilder von einer heilen Welt, Natur und Stille. Dann braucht Lobpreis meine und Ihre Lebenswirklichkeit.