predigt_2017-11-05

Predigt: Die Geschichte einer Wandlung

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Datum: 05.11.17
Bibelstelle: Apostelgeschichte 9,1-19
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

"Saulus schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn." (Apostelgeschichte 9,1)

Eindrucksvoller und bildhafter lässt sich religiöser Fanatismus wohl kaum in Worte fassen. Saulus (später Paulus genannt) spürt eine Kraft in dem christlichen Glauben, die in der Lage sein könnte, das bisherige Judentum aus den Angeln zu heben.

Es hat sehr unterschiedliche Ursachen, warum aus einem Gläubigen ein Fanatiker wird. Einer der Gründe ist die Furcht. Es ist die Angst vor Veränderung, die Angst davor, dass die bisher gültigen Werte und Normen infrage gestellt werden.

So wird aus dem braven, biederen Theologen ein Inquisitor, der keine Mittel scheut, um die Jesusbewegung zu vernichten, bevor sie sich so ausbreitet, dass ihr nicht mehr beizukommen ist.

  1. Gestellt und am Boden

    Paulus ist so sehr in seinem Hass gefangen, dass er jede Form des Mitgefühls und der Mitmenschlichkeit verloren hat.

    Doch der lebendige Gott zahlt es seinen Feinden nicht mit gleicher Münze heim, sondern stellt sich ihnen – in dem auferstandenen Christus – in den Weg.

    Diese Art der Gottesbegegnung ist so gewaltig, dass Paulus wie vom Blitz getroffen zu Boden fällt. Er hat nur noch eine Frage: "Herr, wer bist du?"

    Und er bekommt die eine Antwort, mit der er niemals gerechnet hatte: "Ich bin Jesus, den du verfolgst!"

    Der Auferstandene identifiziert sich absolut mit seiner Gemeinde. Oberflächlich betrachtet beschreibt Apostelgeschichte 8-9 die erste Christenverfolgung, bei genauerer Betrachtung aber handelt es sich um eine Christusverfolgung.

    Wer die Gemeinde Jesu angreift – bekommt es mit IHM zu tun. Wer dem auferstandenen Christus begegnet, der wird eine Erfahrung machen, die seine bisherigen Lebensgrundlagen gründlich durchschüttelt. In dem Augenblick, in dem Paulus auf den Auferstandenen trifft, ist er im wahrsten Sinne des Wortes "geflasht".

    Jeder Mensch hat sein ganz spezielles Lebensfundament oder "sein hohes Ross", auf dem er reitet und auf dem er sich sicher fühlt, z. B. Leistungsvermögen, Intelligenz, Charme, Aussehen, öffentliche Anerkennung. Wir investieren in diese Rösser und wir benutzen sie, um einigermaßen galant durch das Leben zu kommen.

    In dem Augenblick aber, in dem ein Mensch eine Begegnung mit Jesus Christus hat, wird er herausgefordert, von seinem "alten" Ross zu steigen.

    Der christliche Glaube beginnt mit einer Überraschung. Jesus Christus kreuzt unseren Lebensweg. Wir spüren: Der, der uns in den Weg tritt, ist der auferstandene Christus. Es ist seine Stimme, die unser Innerstes zum Klopfen bringt:

    • "Ich bin Christus, dem du bisher ausgewichen bist!"
    • "Ich bin Christus, den du bisher vergeblich gesucht hast!"
    • "Ich bin Christus, den du bisher für einen toten Religionsstifter gehalten hast!"

    Paulus gerät in die tiefste Krise seines Lebens. Sein Lebens- und Denkmuster, seine Theologie wird zutiefst erschüttert und zerbricht. Übrig bleibt ein Scherbenhaufen.

  2. Erneuert und beauftragt

    Drei Tage lang tappt Paulus völlig im Dunkeln. Sein innerer Mensch wird drei Tage lang "neu formatiert". Das alte Betriebssystem wird gelöscht und ein neues aufgespielt.

    Am Ende dieser Zeit, in der der heilige Geist im Leben des Paulus sein Werk getan hat, begegnet uns ein völlig veränderter Mensch.

    Vielleicht stehen auch Sie vor dem Scherbenhaufen Ihres Lebens und haben keine Ahnung, wie es weitergehen kann? Ob es uns gefällt oder nicht: Brüche sind Teil unseres Lebens, und sie sind nicht selten eine Gelegenheit für einen Neustart.

    Der lebendige Gott ist in der Lage, aus Ihrem Scherbenhaufen ein Gefäß zu schaffen, dass er so gebrauchen kann, wie es mit dem "alten Gefäß" nicht möglich gewesen wäre.

    Paulus – vorher ein absoluter Christenhasser – wird zu einem besonderen geistlichen Dienst berufen: Mit Paulus wird zum ersten Mal ein Anhänger der "neuen Lehre", ein Jesusnachfolger, zum Missionsdienst in die Völkerwelt berufen.

    Jeder Mensch, egal aus welchem Volk er stammt, egal in welchem Kulturraum er beheimatet ist und welcher Religion angehört, soll wissen, dass Jesus Christus der Heiland der Welt ist.

    Dabei ist christliche Mission ist eben KEIN Feldzug gegen Andersgläubige. Alle Feldzüge unter dem Zeichen des Kreuzes, die darauf zielten, die Herrschaft Jesu mit Gewalt durchzusetzen, sind schreckliche Irrwege der Kirchengeschichte.

    Vielmehr ist christliche Mission verbunden mit der Einwilligung in den Leidensweg Jesu. So wird Paulus aus einem religiösen Fanatiker ein Nachfolger von Jesus Christus – jemand, der bereit und fähig ist, um Christi Willen Verfolgung auf sich zu nehmen.

    So wird aus jemandem, der ganze Familien ins Leid gestürzt hat, jemand, der für ungezählte Menschen zum Segen werden konnte.