predigt_2017-10-01

Predigt: Was ist das? (Erntedank)

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Datum: 01.10.17
Bibelstelle: 2. Mose 16
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Erst knapp einen Monat ist es her, seitdem die Israeliten aus Ägypten fortgezogen waren. Dreißig Wüstentage ohne den gewohnten, wenn auch geringen Komfort Ägyptens – schlechte Laune macht sich breit.

Es ist ernüchternd, wie schnell die größten Gotteserfahrungen keine Rolle mehr spielen, wenn der Kühlschrank leer ist und der Magen knurrt. Da kann die Stimmung von einem Moment auf den anderen gründlich umschlagen.

  1. Der Aufstand der Wutbürger

    "Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste." (2. Mose 16,2)

    Immer dann, wenn es Schwierigkeiten gibt, neigen Menschen dazu, einen Sündenbock zu suchen.

    Unter diesem Lebensgefühl, dem Gefühl um das Leben betrogen worden zu sein, verwandeln sich bisher friedfertige Zeitgenossen in kurzer Zeit in "Wutbürger" und proben den Aufstand.

    Woran entzündet sich hier die Unzufriedenheit?

    "Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst." (2. Mose 16,3)

    Die Wahrheit lautet: An den Fleischtöpfen Ägyptens war für die Juden schon lange kein Platz mehr gewesen. Die Israeliten waren nicht aus Ägypten geflohen, weil sie die Fleischtöpfe Ägyptens nicht mehr bewältigen konnten, sondern weil der Antisemitismus wuchs, weil man ihre Männer in Arbeitslager sperrte und ihre Söhne tötete.

    Es ist erstaunlich, wie sich unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit verschieben kann, wenn wir unter Druck geraten:

    • Ist all das, was wir mit Gott erlebt habt, nichts mehr wert, wenn uns der Wind entgegensteht?
    • Können wir all das Gute vergessen, mit dem Gott uns gesegnet hat, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben?
    • Können wir vergessen, dass Gott uns aus unserer Gottesferne heraus geliebt und zu einem neuen Leben befreit hat?

    Selbstverständlich nicht! Und doch – angesichts der alltäglichen Sorgen und Herausforderungen – gerät der Segen Gottes allzu leicht in den Hintergrund.

  2. Wovon wir leben!

    "… Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat." (2. Mose 16,15)

    Mit diesem Versabschnitt befinden wir uns im Zentrum der Erntedankbotschaft. Es geht darum zu verstehen, dass alles, was uns im vergangenen Jahr unser Leben ermöglichte, Gabe eines gnädigen Gottes ist:

    • Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat.
    • Es war das Wasser, das euch der HERR zu trinken gegeben hat.
    • Es war der Wohnraum, den euch der HERR zu wohnen gegeben hat.
    • Es war ein bestimmtes Maß an Gesundheit, das euch Gott verliehen hat …

    Wir waren jeden Tag Gäste an seinem Tisch und Nutznießer seiner Gaben – in allem Beschenkte. Wenn wir am Erntedankfest "Danke" sagen, dann kommt genau das zum Ausdruck.

    Dankbarkeit ist Medizin für unser geistliches Leben:

    • Wer dankt, bleibt innerlich gesund, lässt Gott Gott sein und schützt sich damit vor Größenwahn, Selbstbeweihräucherung und Überheblichkeit.
    • Wer dankt, bleibt auf dem Teppich, den Gott ihm gewoben hat. Dankbarkeit klärt die Beziehung zwischen mir Mensch, und dem lebendigen Schöpfergott.

  3. Die Angst, zu kurz zu kommen

    "Und etliche ließen davon übrig bis zum nächsten Morgen; da wurde es voller Gewürm und stinkend." (2. Mose 16,19)

    Die Bibel spricht nicht gegen eine vernünftige Vorsorge und Haushaltsführung. Aber sie warnt sehr ernst davor, dass wir uns von materiellen Dingen abhängig machen und uns darin zu sichern versuchen.

    "Sicher ist sicher", das ist der Irrglaube der Gottlosen. Nichts, aber auch gar nichts von dem, was wir selbst auf die Beine stellen, ist letztendlich sicher.

    "Erntedank, Gott dankbar bleiben": Das bindet uns an Gott und befreit uns aus der trügerischen Macht der selbsternannten Sicherheiten. Wer dankbar bleibt, entzieht der angeborenen Gier und dem Bedürfnis, sich in allem und jedem absichern zu können, den Nährboden.