predigt_2017-07-23

Predigt: Auf der Suche nach der verlorenen Mitte

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Datum: 23.07.17
Bibelstelle: 1. Mose 11,1-9
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Die biblische Geschichte vom "Turmbau zu Babel" beschreibt Menschen, die große Pläne hatten. Sie versuchten Grenzen zu überschreiten und stießen an Grenzen, sie feierten Erfolge und erlebten Scheitern.

Das teuflische Versprechen: "Ihr werdet sein wie Gott…" (1. Mose 3,5) hatte sich als dreiste Lüge erwiesen. Die Menschen wollten Gott gleich sind und wurden gott-los.

Sie wollten die große Freiheit und erlebten Gebundenheit und Scham. Sie wollten alles gewinnen und haben das Entscheidende verloren.

Ein riesiges Bauvorhaben soll den Verlust der Gottesbeziehung ersetzen. Nachdem die Menschen ihre Mitte bei Gott als ihrem Schöpfer verloren haben, basteln sie an einer Ersatzmitte.

Der Mensch, der seine organische Mitte in Gott verloren hat, schafft sich eine synthetische Mitte. Um diese Ersatzmitte zu schaffen, scheut er keine Kosten und Mühe.

"Babel" steht in der Bibel für das Streben nach Macht und Größe, nach Selbstherrlichkeit und Autonomie. Babel steht für den Versuch, den lebendigen Gott vom Thron zu stürzen und diesen Platz neu zu besetzen.

Auch heute gilt: Es "babelt" immer wieder: in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche und immer wieder auch in unserem eigenen Herzen.

  1. Auf!

    Lasst uns aufbrechen zu etwas ganz Großem. Wir schaffen ein Weltwunder, über das sich noch die Nachwelt wundert! "So wollen wir uns einen Namen machen." (Vers 4b)

    Bedeutung und Sicherheit gehören zu den Ursehnsüchten des Menschen. Das Gefühl der Bedeutungslosigkeit frisst die Seele auf.

    Der lebendige Gott weiß um unsere Sehnsüchte und Bedürfnisse. Gott gibt unserem Leben Bedeutung.

  2. Auf!

    "Einer für alle, alle für einen". Als Team sind wir unschlagbar. Gemeinsam werden wir den Himmel erobern können. Der Turm zu Babel ist das Symbol der selbstgezimmerten Sicherheit.

    Wie sich im Mittelalter Menschen im Schutz der Burg ansiedelten, wollen die Menschen in Babel unter dem Turm siedeln.

    Mit dieser Zukunftsplanung widersetzen sie sich bewusst ihrer göttlichen Berufung. Was war denn ihre Berufung?

    Berufen waren sie die Erde zu pflegen und zu bewahren. Im Namen Gottes sollten die Menschen unterwegs sein und diese Erde in Besitz nehmen – aber sie machen nicht mit. Bequem wollen sie es haben, das eigene Nest bauen und den Komfort gebührend genießen.

    Und hier scheint es auch unter der Gemeinde Jesu mächtig zu babeln, damals wie heute. Die Berufung Gottes zielt immer auf Bewegung. Die Berufung Jesu ist immer Berufung in die Nachfolge. Nachfolge ist Bewegung pur.

  3. Auf!

    "Auf, lasst uns herabfahren und dort ihre Sprache verwirren …" (Vers 7)

    Nachdem bisher ausschließlich vom Tun und den Gedanken der Menschen die Rede ist, meldet sich Gott zu Wort.

    Welch eine Ironie! Der große Schöpfergott muss weit, weit herabfahren, sich tief herablassen, um die Menschen in ihrem Größenwahn zu er-schüttern und aufzuhalten.

    Der Theologe und Orientalist August Dillmann deutet diesen Abschnitt mit den Worten: Die Zerstreuung der Menschheit war nicht nur Strafe, sondern auch "Wohltat", "eine Schranke für die Selbstsucht des Menschen", eine durch Gott gesetzte "heilsame Schranke gegen die Weiterentwicklung ihrer sündhaften Vermessenheit." (Zitatende)

    Die Zerstreuung der Menschen in alle Himmelsrichtung ist eben Gericht und Heil zugleich. Der Menschheit wird eine neue Perspektive eröffnet.

Der Bericht vom Turmbau zu Babel zeigt uns neben dem absolut unvergleichlichen, souveränen Gott, einen Gott, der ein Herz für seine Menschen hat. Gottes Geduld hat noch kein Ende. Nicht mit dieser Welt und auch nicht mit deinem Leben.

Immer wieder hat Gott im Laufe der Geschichte einer gerichtsreifen Menschheit eine Tür geöffnet, einen neuen Weg, eine neue Chance umzukehren.

Gott hat Ihnen einen Weg zurück zur Mitte geebnet. In Jesus Christus ist der Weg zurück zur Mitte frei. Der lebendige Gott lädt Sie ein, diesen Weg zu gehen.