predigt_2017-06-11

Predigt: Kommt her zu mir alle …

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Datum: 11.06.17
Bibelstelle: Matthäus 11,28
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Der Predigttext für diesen Gottesdienst gehört zu den bekanntesten Texten des Neuen Testamentes. Es ist ein Wort, dass unzähligen Menschen in schwierigen Lebensabschnitten Hoffnung gegeben hat.

Ein Wort, dass in stürmischen Zeiten dafür gesorgt hat, dass Menschen innerlich zur Ruhe kommen konnten. Es ist kraftvolles Wort Gottes gegen den Strudel der Anfechtungen und Sorgen, die einen in immer schnelleren Umdrehungen in die Tiefe ziehen wollen:

"Jesus Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."

Diese Worte von Jesus hat man auch den "Heilandsruf" genannt. Geben Sie dem Text die Chance, sich an Ihrem Herzen fest zu machen:

  • In welchem Strudel bewege ich mich gerade?
  • Was zieht mich nach unten?
  • Wo bin ich mit meinem Latein am Ende?

Rembrandt hat das Evangelium und damit die Bedeutung der Sendung Jesu in seinem Bild "Hundertguldenblatt" zusammengefasst (Quelle: Wikipedia):
Rembrandt - Hundertguldenblatt (Quelle: Wikipedia)

  1. Jesus – der Mann in der Mitte

    Der Künstler lenkt die Augen des Betrachters auf die Mitte. Dort steht Jesus mit offenen Armen als Gebärde der Einladung: Du darfst mir näherkommen. Ich lasse dich an mich heran. Du hast Zugang zu meinem Herzen.

    "Kommt her zu mir alle …" – Diese Einladung Jesu ist keine Einladung zu einer neuen Religion. Sie ist auch kein Aufruf zu einer neuen Ethik, zu einem neuen Verhalten. Die Einladung von Jesus ist die Einladung zu sich selbst – zu seiner Person, zu einer ganz persönlichen Beziehung.

    Damit hebt Jesus sich deutlich von den religiösen Leitfiguren der verschiedensten Religionen ab. In den Religionen geht es darum, Wege zu einer spirituellen Erfahrung aufzuzeigen. Jesus lädt zu sich ein: "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14,6)

    Das Wesensmerkmal des christlichen Glaubens sind die "geöffneten Arme Jesu Christi".

  2. Alle – die Menschen um ihn

    "Kommt her zu mir alle …" – Ein besonderes Merkmal des "Hundertguldenblattes" ist das Spiel des Künstlers mit Licht und Schatten. Licht und Schatten, Dunkel und Hell sind Teil eines jeden Lebens. Aber die Anteile scheinen nicht gerecht verteilt zu sein.

    Da hat es die auf der Sonnenseite und die auf der Schattenseite. Und dann gibt es da noch eine große Menge derer, die im Halbschatten leben.

    Wir sehen in Gesichter, die gezeichnet sind von Not, Leid und Schmerz. Menschen haben sich um Jesus versammelt, die alle Hoffnung auf ihn setzen. ER ist der Strohhalm, an den sie sich klammern.

    Weiter rechts erkennen wir Menschen, die gesund und gut gekleidet sind. Aber auch sie stehen im Dunkeln, buchstäblich am Rande der Gesellschaft. Ihre Zeitgenossen damals bezeichneten sie als "Zöllner und Sünder". Sie sind die, die den falschen Beruf, die falschen Freunde und die falsche Religion haben. Auch und gerade ihnen gilt die Einladung von Jesus. Auch sie haben einen Platz an seinem Herzen.

    Auf der linken Seite des Bildes hat Rembrandt ganz andere Menschen gezeichnet. Es sind elegant gekleidete und kraftstrotzende Leute. Sie stehen im Licht, sie leben – im Großen und Ganzen – auf der Sonnenseite des Lebens. Einige von den Wohlhabenden, die dort am Tisch sitzen, scheinen sich in diesem Augenblick über Jesus ernsthafte Gedanken zu machen. Aber statt seiner Einladung zu folgen, wenden sie sich ab.

  3. Ich – herausgefordert, ihm zu vertrauen

    Es ist bezeichnend, dass Rembrandt viele derer, die sich um Jesus versammelt haben, in der Kleidung seiner Zeit darstellt. Jeder, der das Hundertguldenblatt betrachtet, soll sich selbst in diesem Bild entdecken können:

    • Der Zweifler,
    • der Kranke,
    • der überforderte Angehörige,
    • der Außenseiter,
    • der Skeptiker und Nörgler,
    • derjenige, der die Nachfolge scheut, weil ihm der Preis zu hoch erscheint,
    • die Eltern, die gerne ihre Kinder bei Jesus sehen würden …

    Jesus interessiert sich für die Schattenseiten meines Lebens. Wie geht es dir?

    Uns allen gilt seine Zusage: "Ich will euch erquicken." Im Griechischen steht für "Erquicken" die Vokabel "anapauso". Jesus lädt uns zu einer Pause ein:

    • Bei ihm können wir aufatmen und neuen Mut fürs Leben schöpfen.
    • Hier können wir Abstand gewinnen von all dem, was unser Leben gefangen hält.
    • In seine offenen Arme dürfen wir uns mit unseren Ängsten flüchten.
    • Zu ihm dürfen wir mit unserer Schuld kommen.
    • Bei ihm finden wir Halt in Phasen der Krankheit.
    • Seine Hand hält uns, wenn wir Abschied von dieser Erde nehmen müssen.

Rembrandt hat Jesus als die Person gemalt, die am höchsten steht. Er ist der Herr aller Herren und dennoch nicht abgehoben. Mitten unter uns bleibt er auf dem Boden, mitten in unserem Elend und lädt uns zu sich ein.