predigt_2017-04-30

Predigt: Wachsen oder welken?

Zur Predigtübersicht

Datum: 30.04.17
Bibelstelle: Lukas 8,5-8; 1. Korinther 3,6-9
Redner: Hans-Peter Dinter

Um die Predigt herunterzuladen, drücken Sie bitte mit der rechten Maustaste auf und wählen dann "Ziel speichern unter" …

Zusammenfassung:

In den vergangenen Tagen hat sie wieder Fahrt aufgenommen, die Gartensaison. Damit der Garten sich nicht über kurz oder lang in einen Urwald verwandelt, muss der Gärtner daran bleiben: Unkraut hacken, gießen, düngen, zurückschneiden …

Die entscheidende Fragestellung eines Gottesdienstes ist nicht die Frage nach dem Ertrag unseres Gemüsebeetes, sondern die Frage nach unserem Glaubenswachstum.

Wachsen oder Welken – Gedeihen oder Verkümmern?

Jesus gebrauchte oft Bilder aus der Landwirtschaft, um geistliche Wahrheiten zu verdeutlichen. Wenn sich die Bibel mit Gartenarbeit und Ackerbau beschäftigt, dann geht es in der Regel um die Fragen nach dem Wachstum, nach der Frucht und dem Ernteertrag.

  • Welche Nährstoffe braucht es, die Ihrem Glauben guttun und ihn wachsen lassen?
  • Was lässt Ihr Glaubensleben aufleben?

Viele Christen haben nie gelernt, wie sie sich selbst geistlich ernähren können. Sie haben nie darüber nachgedacht, welche Nahrung ihren Glauben stärkt und ihre Beziehung zu Jesus vertieft. Nicht wenige Christen leiden darunter, dass ihr Glaube jahrelang vor sich hin kümmert.

Sie suchen in ihrer Not die Ursache für ihren Kümmerwuchs in ihrer Gemeinde, in irgendwelchen sündhaften Verstrickungen der Vergangenheit oder bei Gottes Geist, der weht wo er will – aber gerade anderweitig unterwegs ist -, aber eher selten in ihrer geistlichen Ernährung.

Weil jeder von uns einzigartig ist und weil die Art, wie wir Christus lieben, einzigartig ist, deshalb sind die Nährstoffe, die unsere Beziehung zu Christus, die unseren Glauben wachsen lassen, verschieden. Der lebendige Gott hat Sie mit einer ganz eigenen Persönlichkeit ausgestattet und möchte von Ihnen so angebetet werden, dass es dieser von ihm geschaffenen Persönlichkeit entspricht.

Wie kann unsere Liebe zu Gott lebendig bleiben bzw. werden?

Die Menschen sind verschieden, die Anmarschwege sind verschieden – aber das Ziel ist das gleiche: Es geht darum, die Gegenwart Gottes zu erfahren, seine Stimme zu hören und von seiner Liebe berührt zu werden. Davon wird es abhängen, ob unser Glaube wächst oder welkt, ob er gedeiht oder verkümmert.

In seinem Buch "Neun Wege, Gott zu lieben – Die wunderbare Vielfalt des geistlichen Lebens" beschreibt Gary L. Thomas neun Wege, Gott zu lieben:

  • Der Natur-Typ
  • Der sinnliche Typ
  • Der traditionalistische Typ
  • Der asketische Typ
  • Der aktivistische Typ
  • Der fürsorgliche Typ
  • Der enthusiastische Typ
  • Der kontemplative Typ
  • Der intellektuelle Typ

Zwei dieser Typen werde ich heute Morgen kurz vorstellen:

  • Der Natur-Typ: Gott in seiner Schöpfung lieben.

    Den Natur-Typ drängt es, architektonische Kunstwerke und gepolsterte Kirchenbänke zu verlassen, um eine völlig neue "Kathedrale" zu betreten, einen Ort, den Gott selbst geschaffen hat: Die Natur!

    Viele Bilder und Anspielungen im Alten Testament und in den Evangelien beziehen sich auf die Natur, und nur im Kontext der Natur gewinnen sie ihre Bedeutung und ihre Kraft zurück.

    Wer die Bibel einmal unter diesem Gesichtspunkt liest, wird feststellen, dass die meisten Gottesoffenbarungen unter freiem Himmel und nicht im Tempel, nicht in der Stiftshütte und nicht in der Synagoge stattfanden.

    Natur-Typen erleben, dass sie unter freiem Himmel geistlich aufatmen können. In der Natur erleben sie die Gegenwart Gottes so deutlich, dass die Last des Alltags von ihnen abfällt und ihr Herz sich für die Impulse des Heiligen Geistes öffnet und sie gar nicht anders können, als Gott anzubeten.

  • Der sinnliche Typ: Gott lieben mit allen Sinnen.

    Weil Gott der Schöpfer uns mit unseren Sinnen ausgestattet hat, will er sie gebrauchen, um unser Herz zu erreichen:

    • Hören: Wenn wir die Gottesdienste der alttestamentlichen Gemeinde studieren, stellen wir fest, dass die Musik in ihnen eine überragende Rolle spielt.

      Martin Luther: "Ich liebe die Musik … Denn sie ist ersten ein Geschenk Gottes und nicht der Menschen; zweitens macht sie fröhliche Herzen; drittens verjagt sie den Teufel; viertens bereitet sie unschuldige Freude. Darüber vergehen Zorn, Begierden, Hochmut, den ersten Platz nach der Theologie gebe ich der Musik."

    • Riechen: Gottes Liebe, seine Gegenwart über die Nase zu riechen – dieser Gedanke ist uns evangelischen Christen fremd. Die katholische Fraktion würde hier vermutlich auf den Gebrauch von Weihrauch hinweisen.

      Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Gerüche insbesondere im Judentum und im Gottesdienst der alttestamentlichen Gemeinde eine große Rolle spielten (vgl. 2. Mose 25: Bau der Stiftshütte).

    • Schmecken, Sehen, Fühlen: Sinnliche Typen freuen sich in besonderer Weise auf das Abendmahl. Das Abendmahl ist eine abgewandelte Form des jüdischen Passahmahles und damit eine Predigt an unsere Sinne: Wir fühlen das Brot und den Kelch; wir schmecken, sehen und riechen Brot und Wein.

      Die Botschaft von der Versöhnung der Welt durch Jesus Christus, die wir gewöhnlich lesen oder in der Predigt hören, verleiblicht sich in Brot und Wein.

    Es tut gut, wenn man Gottesdienste mit allen Sinnen wahrnehmen kann.

Unsere Beziehung zu Jesus ist – daran lässt die Heilige Schrift keinen Zweifel – auf Wachstum angelegt.

Wenn unser Glaube über Monate und Jahre vor sich hindümpelt, wenn unsere Beziehung zu Jesus nur noch Routine ist – dann könnte es auch daran liegen, dass wir unseren ganz speziellen Zugangsweg zu Gottes Herzen noch nicht gefunden haben – oder ihn lange nicht mehr gegangen sind.

Ein, zwei oder drei dieser Wege werden dabei sein, die dich näher zum Herzen Gottes bringen. Manchmal braucht es mehrere Versuche, den richtigen Weg für sich zu finden.

Mit drei Fragen möchte ich Sie herausfordern:

  1. Haben Sie Ihre besonderen Zugangswege zu Gott schon gefunden?
  2. Was hindert Sie, sich auf die Suche zu machen?
  3. Wenn Sie Ihren besonderen Zugang zu Gott gefunden haben: Wann sind Sie ihn das letzte Mal gegangen?