predigt_2017-04-09

Predigt: Hoffnungsträger gesucht!

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Datum: 09.04.17
Bibelstelle: Matthäus 21,1-12
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Ob in der Politik, beim Sport, in der Wirtschaft und oft auch in der Kirche werden Hoffnungsträger gesucht, manchmal emporgejubelt und oft genug auch wieder fallengelassen.

Am heutigen Palmsonntag wird an "Jesu Einzug in Jerusalem" erinnert:

  1. Szene: Ein bedeutsamer Auftrag

    "Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer." (Matthäus 21,2-3)

    Die Jünger bringen den Esel zu Jesus – ohne zu zögern und ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Sie sehen in Jesus den zukünftigen König Israels – den König aller Könige. Und jeder König Israels hatte damals das Recht, ein Reittier für sich zu beanspruchen.

    Mit dem Auftrag an die Jünger offenbart Jesus seine wahre Bedeutung. Er, der den Esel beansprucht und in Jerusalem einzieht, ist der König Israels.

  2. Szene: Ein Volk außer Rand und Band

    Mit den Worten: "Jesu Einzug in Jerusalem" überschreibt die Lutherbibel den heutigen Predigttext. Dabei scheint Jesus, wenn man die Textanteile betrachtet, zunächst eine Nebenrolle zu spielen.

    "… sie brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf." (Matthäus 21,7)

    "Er setzte sich darauf" – Nur diese vier Worte hat der Evangelist beim Einzug in Jerusalem für Jesus übrig – mehr nicht. Jesus scheint in den Hintergrund zu treten.

    Das Hauptaugenmerk richtet sich auf die Volksmenge. Eine Volksmenge, die völlig außer Rand und Band gerät: Die Menschen haben ihren Hoffnungsträger ausgemacht, sie feiern Jesus:

    • Endlich, davon gehen sie aus, hat Gott unsere Gebete erhört.
    • Endlich werden sich die alten Verheißungen erfüllen und das Volk aus seinem Elend befreit.
    • Endlich ist der Mann da, der für soziale Gerechtigkeit sorgen wird.

    Und Jesus?

    Jesus mahnt die Menge nicht zur Vernunft. Er korrigiert die falschen Erwartungen der Menschen nicht. Jesus lässt sich den Jubel der Menschen gefallen, obwohl er weiß, dass viele seiner Fans in wenigen Tagen umschwenken und seinen Tod fordern werden.

  3. Szene: Der wilde Messias

    Als Gemeinde Jesu im Wohlstandswesten halten wir fest an einem weichgespülten Jesusbild.

    Mit einem Jesus dagegen, der uns aus unserer Komfortzone holt, der uns herausfordert und unseren Lebensstil infrage stellt, tun wir uns schwer.

    Einem Jesus, der uns aufscheucht, der unsere Frömmigkeitskultur erschüttert und am Ende sogar unseren Lebensstandard in Frage stellt, gehen wir lieber aus dem Weg.

    "Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb hinaus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: 'Mein Haus soll ein Bethaus heißen'; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus." (Matthäus 21,12-13)

    Ob die Verkäufer und Käufer, die Geldwechsler und Taubenhändler sich darüber im Klaren waren, dass sie mit ihrem Geschäftsgebaren der eigentlichen Bestimmung des Tempels entgegenstanden? Eher nicht.

    Auf der einen Seite waren die Geldwechsler und Händler zum festen Bestandteil des damaligen religiösen Systems geworden und nötig, um den Gottesdienstablauf zu gewährleisten.

    Auf der anderen Seite verhindern sie eine echte Gottesbegegnung. Der einzige Ort, an dem Suchende sich dem Tempel nähern, zur Ruhe kommen und beten konnten, der sogenannte "Vorhof der Heiden", ist zum Marktplatz geworden.

    Was für ein Irrsinn! Die Frommen verbauen den Gottsuchenden mit ihrer Frömmigkeit den Weg zu Gott – und sie merken es nicht mehr:

    • Sind auch wir so sehr damit beschäftigt, unseren Gemeindebetrieb am Laufen zu halten, dass wir den Blick für das Wesentliche, den Blick für Gottes eigentliche Mission, die Rettung von Menschen, verloren haben?
    • Ist ER der HERR in unserem Leben und in unserer Gemeinde?
    • Gestatten wir es Ihm, in unserem Leben aufzuräumen, damit sein Wille geschehen kann?
    • Oder sind wir am Ende die eigentlichen und heimlichen Herren, die davon ausgehen, dass ER sich unseren Wünschen und Bedürfnissen anpasst?
    • Sind wir uns darüber im Klaren, dass "Christusnachfolge" beinhaltet, dass wir IHM nachfolgen und nicht umgekehrt ER uns?
    • Ist uns bewusst, dass WIR die Jünger sind und ER der HERR und nicht umgekehrt?

    Unsere Antwort auf solche Fragen geben wir nicht mit unseren Worten, sondern mit unserem Leben. ER ist der herausfordernde Christus – der uns immer dann, wenn wir es uns gerade wieder einmal gemütlich in unserer Nachfolge eingerichtet haben, zum Aufbruch herausfordert.

    Und machen wir uns nichts vor: ER ist auch der Christus, der unsere Hoffnungen hin und wieder enttäuscht.

    Aber in seiner Nachfolge haben wir ein erfülltes, sinnvolles Leben: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge." (Johannes 10,10)