predigt_2017-01-15

Predigt: Typisch evangelisch [1] – Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

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Datum: 15.01.17
Bibelstelle: Römer 3,21-28
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Was ist denn typisch evangelisch?

  • Die Katholiken, so weiß man, haben einen Papst und klare Regeln, ihre Priester haben keine Frauen, in der Kirche riecht es nach Weihrauch und sie beten zu Maria, der Mutter Jesu.
  • Die Evangelischen dagegen haben keinen Papst, ihre Pfarrer sind verheiratet, sie beten zu Jesus Christus und nehmen es mit Gottesdienstbesuch nicht so genau.

Gibt es im Blick auf unseren Glauben "typisch evangelisches"?

Gibt es da nicht nur Nebensächliches, sondern Grundsätzliches, welches diejenigen Kirchen auszeichnet, die "Evangelisch" in ihrem Namen führen?

Der Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland (BFeG) hat eine kleine Infoschrift herausgegeben, in der die drei Buchstaben FeG erklärt werden. Dort heißt es bei dem Buchstaben "e" wie evangelisch:

Wir bezeichnen uns als evangelisch, weil wir mit anderen evangelischen Kirchen das Erbe der Reformation teilen.
Die vier reformatorischen Säulen bilden das Zentrum unseres Glaubens:

  • Allein die Gnade,
  • allein Christus,
  • allein die Schrift und
  • allein durch den Glauben.

Im Alter von etwa dreißig Jahren liegt der Augustinermönch Martin Luther in seiner Klosterzelle auf den Knien und ringt mit seinem Gott. Schrecklich, hart und unnachsichtig erscheint ihm Gott, unnahbar und unbarmherzig.

Martin Luther möchte Gott lieben. Aber kann man einen ungnädigen Richter lieben?

"Was muss ich tun, damit ich einen gnädigen Gott bekomme?" Diese Frage treibt den jungen Mönch bis an die Grenzen der Verzweiflung.

Die Antworten, die dem Gläubigen damals von der Kirche gegeben wurden, lauteten:

  • Beichte deine Sünden.
  • Besuche den Gottesdienst und nimm an der Kommunion teil.
  • Bitte die Heiligen um deinen Beistand.
  • Unterstütze die Kirche durch dein Opfer.

Mit dem bekannten Werbeslogan: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt", versuchte Johann Tetzel den Menschen Seelenheil zu verkaufen und gleichzeitig die Fugger bei Laune zu halten.

Martin Luther bieten diese Antworten der Kirche keine Hilfe. Der Gekreuzigte Christus wird für ihn die Antwort auf sein seelisches Leiden: "Ich bin dein – erlöse mich".

Luther entdeckt die "Erlösung" (Römer 3,23.24): "Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist."

Die Frage nach dem gnädigen Gott ist in unseren Breitengeraden aus unterschiedlichen Gründen weithin verstummt. Die Fragen haben sich verschoben:

  • Wie kann das Leben gelingen?
  • Wie kommt mein Leben zur Entfaltung?
  • Was macht das Leben sinnvoll?
  • Wie komme ich mit den Abgründen in meinem Leben klar?
  • Wie komme ich von meinen Bindungen los?

Auch bei diesen Fragestellungen ahnen wir:

  • Wir brauchen Erlösung (Befreiung, Rettung).
  • Wir brauchen jemanden, der uns hilft.
  • Wir finden den Sinn und den Wert des Lebens nicht in uns selbst.

Erlösung hat einen Preis. Damit einer frei sein können, muss ein anderer ihn befreien. Einer muss für uns eintreten, uns loseisen.

Nur einer, der mit uns nicht im gleichen Sumpf steckt kann uns befreien. Genau das ist die gute Nachricht Gottes an seine Menschen: Ich, euer Schöpfer, habe euch in Jesus Christus losgeeist aus der Bindung an die Sünde.

Erlösung ist geschehen – der Preis ist bezahlt. Wir müssen nicht mehr beten und bitten: "Herr erlöse mich!"

Die Erlösung wird wirksam durch den Glauben. Wir dürfen beten: "Herr, hab Dank, du hast mich erlöst. Deine Erlösung soll auch für mich gelten. Dir will ich fortan folgen, mit meinem Fühlen und Wollen, mit jeder Faser meines Lebens."

Wollen Sie das nachsprechen und so die Erlösung in Jesus Christus annehmen?